NRW Urbanism
Die Charrette als Basis verlässlicher Entwicklung

Harald Kegler


Vorrede: Resistenz heißt Integration

Eigentlich sind sie natürliche Verbündete, die europäische reflexive Moderne und das Spektrum des US-amerikanischen Reformstädtebaus, das von Smart Growth über New Urbanism bis zu Liveable Communities reicht, wenn es da nicht tiefe Unkenntnis, Voreingenommenheit und ideologische Ressentiments oder auch schlechte Einzelerfahrungen geben würde. Warum also, so stellt sich die Frage, widmen wir uns überhaupt der Integration von Elementen US-amerikanischer Erfahrungen in die deutsche Planungskultur? Ein flüchtiger Blick über den Atlantik zeigt, dass vieles von dem, was in Europa und besonders in Deutschland planerisch und baulich praktiziert wird, den Verhältnissen in den USA weit voraus ist, gemessen an dem, was hierzulande unter Nachhaltigkeit im weitesten Sinne oder unter Baukultur verstanden wird. Ob dies den öffentlichen Verkehr oder das ausgeprägte Baurecht betrifft, die USA sind diesbezüglich wohl eher ein Entwicklungsland der städtebaulichen Kultur, das mit „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu bedenken wäre und nicht Gegenstand der Erörterung hinsichtlich der Übernahme bzw. Integration von planungskulturellen Elementen sein könnte. Wir haben doch alles, so die gängige Meinung. Und wenn wir etwas nicht haben, dann sollten wir tunlichst uns auch davor hüten, diese Dinge aus den USA zu übernehmen. Dazu gehören wohl vor allem die ästhetischen Seiten einer als rückwärts orientiert angesehenen Baukultur, wenn davon überhaupt gesprochen werden kann, angesichts der – gelinde gesagt – kitschigen Bauresultate.
Doch, es schwingt Skepsis mit, wenn wir einen ungetrübten Blick auf die Entwicklungen in Europa und Deutschland wagen. Sind wir nicht längst dabei, einem kruden Amerikanismus Platz zu geben und die Errungenschaften der letzten Dekaden in der Planungskultur unterschwellig aufzugeben? Mit dem „Centro“ in Oberhausen ist ein solches Symbol des kruden Amerikanismus entstanden, ökonomisch erfolgreich, ästhetisch und stadtfunktional fragwürdig – die Kritik ist längst verstummt. Sie konzentriert sich auf die „Softvariante“ des Amerikanismus, die leicht abzuqualifizierende Disney-Städtebau-Kultur, weil sie uns direkt kaum zu betreffen scheint, und weil sie leicht kritisierbar ist. Doch auch hier gilt: Diese Kultur ist längst da – die von der Kritik ignorierten Einfamilienhausgebiete, die alle Anzeichen des amerikanischen Sprawl tragen, die fast ausnahmslos eine banale Ästhetik repräsentieren, die aber am Markt gut gehen, dies alles spielt sich „hinter dem Rücken“ ab; der Blick der Fachwelt ist allein auf die wenigen Objekte und Planungen konzentriert, die der „reinen Lehre“ entsprechen; die Architektur-Biennale zeigt dies eindrücklich. Sie umfassen aber bestenfalls einen einstelligen Prozentsatz des überhaupt Gebauten. Wir machen uns etwas vor, wenn wir sagen, wir sind gut, Amerika ist fern. ...lesen Sie mehr

 
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