Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit

„Vom Wissen zum Handeln“ – so könnte der Leitgedanke der Öffentlichkeitsarbeit für Streuobstwiesen lauten. Das Neuinwertsetzen des Streuobstbaus geschieht nicht im Selbstlauf. Einer größeren Masse an Verbrauchern muss klar gemacht werden, was Streuobst überhaupt bedeutet und was Direktsaft ist. Weiterhin geht es um den ökologischen, ökonomischen und qualitativen Vorteil der Streuobstprodukte - der Bedeutung der Streuobstwiese
• als Rohstofflieferant für Säfte u.ä.
• für Landschaftsbild und Erholung,
• für den Natur- und Biotopschutz,
• für die Arten- und Sortenvielfalt,
• für die (gesunde) Ernährung,

• für das Verantwortungsgefühl und die Zukunftsvorsorge und
• für die Akzeptanz ressourcensparender Landbewirtschaftung.
Nur wenn den Verbrauchern der vielfältige Nutzen ihrer heimischen Kulturlandschaft bewusst ist, sind sie auch bereit, sich aktiv für ihren Erhalt einzusetzen und den ökologischen Zusatznutzen durch einen erhöhten Kaufpreis für Streuobsterzeugnisse zu honorieren.

Dabei ist es nicht mit einmaligen Aktionen getan, sondern eine konstante Arbeit an diesem Thema ist erforderlich. Finanziell wenig aufwendig sind Öffentlichkeitskampagnen zum Thema „Streuobstwiese“, Saftaktionen oder Apfelfeste. Auf Natur- und Bauernmärkten bietet sich eine Chance, interessierten Menschen das Thema näher zu bringen. An dieser Stelle kann und sollte die Möglichkeit bestehen, Streuobstprodukte zu probieren und zu kaufen.
Der NABU Sachsen nutzte diese Möglichkeit im Herbst 2004 z.B. auf dem Bauernmarkt in Bad Düben und zum Tag der Sachsen in Döbeln. Besucher hatten die Möglichkeit, mit einer Saftpresse selbst Saft aus Streuobst herzustellen und zu probieren. Eine kleine Ausstellung zu alten Apfelsorten fand regen Zuspruch und die Anwesenheit und das Fachwissen eines Pomologen nutzten zahlreiche Besucher zur Bestimmung alter Apfel- und Birnensorten des heimischen Gartens. Auffällig waren zahlreiche Nachfragen nach Bezugsquellen für Obst-Hochstämme (alte Sorten), was auf ein vorhandenes Interesse der Bevölkerung für den Hochstammobstbau zumindest im eigenen Garten schließen lässt.

Solche Aktivitäten sollten durch die lokale Presse (z.B. Leipziger Volkszeitung) publik gemacht werden, ebenso kann durch Lokalzeitungen auf den NABU-Streuobstsaft aufmerksam gemacht werden:
• Was ist Streuobstsaft und wo kommt er her?
• Was unterscheidet ihn vom industriell hergestellten Saft?
• Ab wann wird er verkauft?
• Wo und wie teuer wird er verkauft?
Nur durch medienwirksame Auftritte wird es gelingen, einen größeren Verbraucherkreis auf Streuobstprodukte aufmerksam zu machen.

Auch sollte auf die bereits bestehende naturschutz- und umweltpädagogische Arbeit der Stadt Taucha aufgebaut werden. So existiert bereits im nahe gelegenen „Staditzwald“ (südlich von Pönitz) ein durch den Zweckverband Parthenaue angelegte 2 km langer Naturlehrpfad. Der Staditzwald ist ein Auwaldrelikt längs des in die Parthe mündenden Pönitzer Baches in der weitgehend ausgeräumten Kulturlandschaft des nördlichen Leipziger Landes. Er liegt im Landschaftsschutzgebiet „Parthenaue-Machern“, umfasst 75 ha Waldfläche und stellt im Zusammenhang mit den z.T. bewaldeten Endmoränen einen wichtigen Biotopverbund zwischen Parthenaue und der offenen Feldlandschaft dar.

Eventuell besteht die Möglichkeit des Ausbaus eines Rundwanderweges, ausgehend vom bestehenden Naturlehrpfad durch den Staditzwald bis hin zur Pönitzer Streuobstwiese und zurück. So könnten bestehende Strukturen genutzt und weitere ausgebaut werden. Der Zweckverband betreut den Parthenwanderweg einschließlich seiner Nebenwege und ist mit der Neuanlage eines überregionalen Radwanderweges befasst. Auch im Rahmen dieses neuen Projektes sollte die Streuobstwiese in Pönitz mit einbezogen werden.
Der „Zweckverband Partheaue“ führt neben öffentlich geführten Wanderungen durch das Landschaftsschutzgebiet auch Führungen für Schulklassen und interessierte Personen durch. Diese beschränken sich bisher noch auf die z.T. bewaldeten Endmoränen (z.B. Schwarzer Berg 177 m), die Erlenbrüche oder die Bachaue. Perspektivisch sollte die Existenz der in Nachbarschaft befindlichen Streuobstwiese bei diesen Wanderungen mit berücksichtigt werden, um so ein weiteres Stück existierender Kulturlandschaft zu vermitteln.

Die bestehende Naturschutzstation im benachbarten Plaußig (zu Leipzig) koordiniert die praktischen Arbeiten des Zweckverbandes „Parthenaue“, verwaltet die Schutzgebiete und präsentiert sie der Öffentlichkeit. Neben Themen zur geologischen Entstehung der Landschaft und den verschiedenen Lebensräumen und schützenswerten Biotopformen der Parthenaue wäre eine thematische Erweiterung über die Bedeutung von Streuobstwiesen denkbar. Als ökologische Bildungsstätte und praktischer Pflegebetrieb bilden Lehrveranstaltungen, Seminare, Praktika, Vorträge und Wanderungen einen geeigneten Rahmen zur Wissensvermittlung.

Auch Streuobstprojekte in Kindergarten und Schule, die in Süddeutschland seit längerem durchgeführt werden, führen Kinder und Jugendliche an die Natur heran, bringen frühzeitig ein Verständnis für Naturkreisläufe und umweltverantwortliches Handeln. Projekte zum Naturerleben auf Streuobstwiesen mit Beobachtung der Bäume im Jahresverlauf, Baumschnitt, Hilfe bei Mäharbeiten, Bau von Nisthilfen (51) und Aufsammeln/Ernte von Äpfeln und den anderen Obstsorten liefern ein breites und sinnvolles Betätigungsfeld. Jugendliche können im Rahmen von z.B. Naturschutzjugend-Freizeiten/Aktivitäten an den praktischen Naturschutz herangeführt werden und die Bedeutung heimischen Obstes schätzen lernen.
Um die Streuobstwiese zur Umweltbildung nutzen zu können, sollten Hinweistafeln angebracht werden, die über die ökologische Bedeutung des Biotoptypes informieren.

Möglich wäre auch eine Vermietung der Obstbäume, insbesondere an die Stadtbevölkerung (Taucha, Leipzig). Vor allem jene, die nicht über einen eigenen Garten verfügen und dennoch nicht auf regionales und unbehandeltes Obst verzichten wollen, können interessiert werden. Zugleich könnte der Stadtbevölkerung der Bezug zum Lebensraum Streuobstwiese und zu althergebrachten Formen der Obstproduktion näher gebracht werden. Die Grundzüge des Vermietungskonzeptes (z.B. Höhe der Miete je Baum, Baumarten und Sorten, die zur Nutzung vermietet werden, Pflichten der Mieter, Nutzungsregeln) können in der Lokalpresse publik gemacht werden. Notwendige Vertragsbestandteile könnte beispielsweise die Verpflichtung zu regelmäßiger Pflege und Bewirtschaftung nach den Grundsätzen von Naturschutz und Landschaftspflege sein. In Vermietungsprogrammen in Süddeutschland sind die Mietpreise nach dem Alter der Bäume gestaffelt, jeder Mieter erhält maximal 5 Obstbäume, die möglichst zusammenhängend stehen sollten. Im Zusammenhang damit könnte das Gelände so gestaltet werden, dass es die Bevölkerung gern besucht, z.B. Wochendausflug (i.V.m. Möglichkeiten zum Picknick, Bänke). Wichtig ist, dass sich die Mieter mit „ihrer„ Streuobstwiese identifizieren können.

Das Problem aller vorgeschlagenen Aktivitäten besteht derzeit darin, dass der NABU Leipzig nur Nutzer und nicht Eigentümer der Streuobstwiese ist. Aus diesem Grund müssen alle zukünftigen Vorhaben und deren Nutzen für die Streuobstwiese mit dem Besitzer abgeklärt und auf eine gute Zusammenarbeit gehofft werden.

(51) Künstliche Brutstätten sind vor allem von umwelterzieherischer Bedeutung. Ihr Einsatz eignet sich besonders für das Arbeiten mit Kinder- oder Jugendgruppen oder für praktische Naturschutz-Aktionen. Schon bei der Auswahl, beim Bauen oder Anbringen kann man sich mit den Ansprüchen der unterschiedlichsten Tierarten einer Streuobstwiese vertraut machen. So lässt sich ein persönlicher Bezug zum Lebensraum Streuobstwiese herstellen. Die Freude an der praktischen Arbeit und am gemeinsamen Naturerleben (Betrachtung der Tiere, Reinigung und Pflege der Brutstätten) stehen dabei im Vordergrund.


 
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