Düngung, Pflanzenschutz

Düngung

Da auf der Pönitzer Streuobstwiese auf eine Unternutzung verzichtet wird (Mulchung im Gegensatz zu ackerbaulicher Nutzung oder Grünlandnutzung) genügen niedrige Düngergaben, wenn überhaupt eine Düngung angestrebt und nötig ist. Die Hochstämme im extensiven Obstbau müssen nicht besonders gedüngt werden. Gedüngt wird höchstens das Grünland, auf dem die Bäume wachsen (HEIMEN u. RIEHM 1987). Die Obstbäume profitieren von dieser organischen Grünlanddüngung. Es ist erwiesen, dass die hochstämmigen Obstbäume durch das weitreichende Wurzelsystem der Sämlingsunterlage auf zusätzliche Nährstoffzufuhr nicht so stark angewiesen sind wie die modernen Niederstammpflanzungen auf schwachwachsender Unterlage.
Düngung ist allerdings bei Jungbäumen bis zum Alter von maximal 10 Jahren zur Förderung des Baumwachstums wesentlich. Eine mineralische Düngung ist im ersten Standjahr nicht notwendig, im folgenden Frühjahr kann mit Stickstoff gedüngt werden. Die Düngung sollte in jedem Fall auf den Baumscheibenbereich (Durchmesser max. 2m) beschränkt und nur im Frühjahr mit organischem Dünger (Kompost, Gründüngung) vorgenommen werden. Anzustrebende Nährstoffwerte pro 100g Boden sind 15 mg Phosphor, 25 mg Kalium und 15 mg Magnesium (LUCKE 1992).
Sofern Gras und Schnittholz in der Anlage verbleiben, kann von einem Reinstickstoffbedarf von etwa 30 bis 40 kg/ha und Jahr im Vollertragsstadium ausgegangen werden. Da ein Teil des benötigten Stickstoffs bereits durch Immissionen eingetragen oder von Leguminosen aus dem Luftstickstoff gebunden wird, ist der verbleibende Bedarf deshalb durch organische Dünger, wie Kompost oder Festmist leicht zu decken.(37)

Integrierter Pflanzenschutz

Kunstdünger, Klärschlamm, Gülle, Flüssigmist und ähnliche Stoffe sowie Pestizide dürfen nicht verwendet werden. Vorbeugende Maßnahmen stehen an erster Stelle. Vor allem Feuerbrand und Schorfbefall stellen die größten Probleme dar.
Ökologischer Pflanzenschutz und biomechanische Verfahren sind zu begrüßen und manchmal auch unumgänglich. Viele Vögel sind Insektenfresser (Rotkehlchen, Amsel, Meise (38) ) und gehören deshalb in die Obstwiesen. Für sie sollten Nisthilfen aufgehängt werden. Auch die Verwendung von Pheromonfallen, z. B. für Apfelwickler kann sehr wirksam sein. Einige Schädlinge lassen sich auch durch bestimmte Farben anlocken. Diese Verhaltensweise kann man nutzen, indem entsprechend farbige und beleimte Tafeln in die Obstbäume gehängt werden (39) . Um unerwünschte Nebenfänge anderer Insekten dabei zu minimieren, sollten diese möglichst nur zur Hauptaktivzeit des Schädlings eingesetzt werden (40) . Die Überwachung der Flugaktivität von Schadschmetterlingen (z.B. Apfel- und Pflaumenwickler, Rindenwickler, Frostspanner, verschiedene Schalenwicklerarten) ist mit Hilfe von Sexuallockstofffallen möglich. Die Ausbringung und Wartung von Nistgeräten und Überwinterungshilfen für Vögel und Fledermäuse sowie von umgestülpten, mit Holzwolle gefüllten Blumentöpfen für die Ansiedlung von Ohrwürmern (zur Blattlausvertilgung) (41) helfen bei der biologischen „Schädlingsbekämpfung“. Nützlingsfördernd ist das Anlegen von Stein- und Reisighaufen. Bei pilzlichen Krankheiten, die schwere Schäden an den Blättern verursachen (42) , kann durch gezielte Maßnahmen im Herbst der Befallsdruck im nachfolgenden Jahr erheblich gesenkt werden. Dazu wird das abgefallene Laub entweder aufgesammelt und anschließend vernichtet oder im Rahmen einer mechanischen Bearbeitung in den Boden eingearbeitet, wodurch es einem relativ schnellen biologischen Abbau zugeführt wird. (SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (Hrsg.) 2003, RIETHMACHER 1988, SIMON 1992).

(37) Bekanntlich ist der Stickstoffaustrag durch die Ernte im Streuobstbau gering. Er liegt bei etwa 20 kg pro Hektar, wobei der Stickstoffeintrag aus der Luft allein schon bei jährlich etwa 30 kg liegt (RIETHMACHER u. LEMB 1987).

(38) Ein Meisenpaar mit Nachkommen kann im Jahr beispielsweise etwa 20 Mill. Insekten fressen (RIETHMACHER 1988).

(39) So reagieren zum Beispiel die Apfel- und Pflaumensägewespe auf weiße, die Kirschfruchtfliege auf gelbe und der Ungleiche Holzbohrer auf rote Farbtafeln.

(40) Hauptaktivzeit der Frostspannerweibchen: Oktober bis Dezember; Maßnahme bei der Kirschfruchtfliege, wenn sich die Kirschen von gelb nach rot färben.

(41) Sinnvoll ist diese Maßnahme nur bei Jungbäumen, bei denen noch keine ausrechenden Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sind.

(42) Schorf bei Apfel und Birne; Rostkrankheiten bei Birne und Pflaume; Sprühflecken- und Schrotschusskrankheit bei Kirschen und Pflaumen

 


 
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