Grundlagen des Prozesskostenmanagement

Entstehung der Prozesskostenrechnung

Aufgrund des steigenden Anteils der Gemeinkosten beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe der Siemens AG bereits 1975 mit der Einführung einer prozessorientierten Kostenrechnung.

Ziele der Arbeitsgruppe bei Siemens:

• Kosteninformationen für die Angebotskalkulation bereitstellen;

• Gemeinkosten an Strukturänderungen beim Auftragseingang anpassen;
• Zuschlagskalkulation um Einflüsse aus der Auftragsbearbeitung ergänzen, indem man die Auftragsstückzahl und technische Anomalitäten einbezieht;

• Aufträge sowohl aus Grenz- als auch aus Vollkostensicht beurteilen;

• Gemeinkosten verursachungsgerecht auf den einzelnen Auftrag
zurechnen.

Zentraler Beweggrund für das prozeßorientierte Vorgehen war der Umstand, dass die herkömmliche Zuschlagskalkuation wichtige Kostenunterschiede einebnet. Der prozentuale Aufschlag der Gemeinkosten führt dazu, dass bspw. jeder Auftrag gleich hohe Bearbeitungskosten zugerechnet bekommt, obwohl offensichtlich ist, daß manche Aufträge - sog. "exotische Aufträge" - ungleich höhere Bearbeitungskosten verursachen als andere - sog. "Standard-Aufträge". Wobei der Begriff der Prozesskostenrechnung damals noch nicht im allgemeinen Sprachgebrauch vorhanden war. (1)
Der Anfang und die allgemeine Beachtung der Prozesskostenrechnung wird auf den Aufsatz von Miller und Vollmann: „The hidden factory“ von 1985 zurückgeführt. Das Thema wurde dann bis Ende der achtziger Jahre hauptsächlich in den USA aufgegriffen, bis 1988 ein Kostenrechnungssystem von Cooper, Johnson und Kaplan vorgestellt wurde, das „activity-based costing“ ABC („…those systems that measure where time and resources are actually spent…).” Hierbei wurde davon ausgegangen, das Produkte Kosten verursachen, indem sie Aktivitäten beanspruchen. (2)
Horvárth und Meyer befassten sich ab 1989 mit dem Prozesskostenmanagement und entwickelten dabei eine eigenständige Konzeption der Prozesskostenrechnung, welche das deutsche Kostenrechnungssystem berücksichtigt, mit der Ausprägung zu mehr Kostenstellen gegenüber dem amerikanischen Kostenrechnungssystem.(3)
Viele nahmhafte Unternehmen im deutschen Sprachraum haben in Form von Projekten die Prozesskostenrechnung eingeführt. Meist wurde die Prozesskostenrechnung mit dem Ziel der Prozessoptimierung vorangetrieben. Zum Beispiel bei Continental zur „Optimierung der Beschaffungsprozesskette“ oder die R+V Versicherung unter dem Titel „Geschäftsprozessoptimierung und Prozesskostenmanagement bei der R+V Versicherung“. Auch nichtgewinnorientierte Unternehmen, d.h. Unternehmen mit staatlichen oder kommunalen Aufgaben oder öffentliche Institutionen, griffen die Prozesskostenrechnung auf. Die Duisburger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft unter dem Motto : „Geschäftsprozessoptimierung und Centersteuerung bei der Duisburger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft“. Unter der Überschrift „Prozesskostenmanagement in wissenschaftlichen Bibliotheken – Erfahrungen der ULB Münster“, befasste sich die Universitäts- und Landesbibliothek Münster als rein öffentliche Institution mit dem Thema Prozesskostenrechnung. (4)

Quellen:
 (1) Ziegler, Hasso:Neuorientierung des internen Rechnungswesens für das Unternehmenscontrolling im Hause Siemens. 1994, S. 175-188ff.
(2) R.S. Kaplan, R.Cooper, Cost and Effect, 1997, S. 3
(3) Vgl. Bernd Gaiser, Prozesskostenrechnung und Activity Based Costing, 1998, S. 66-77
(4) Horváth & Partner, Prozesskostenmanagement, Berichte aus der betrieblichen Praxis, 1998, S.79-479

 
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