Ernte

Apfelernte

Viele Streuobstbestände liefern im Abstand von zwei bis drei Jahren reiche Ernten. Der Eigentümer der Streuobstwiese in Pönitz bestätigte das. Wurde im Jahr 2003 ein reichlicher Fruchtbehang (43) mit Äpfeln festgestellt, so war die erste Ernte von Äpfeln des gesamten Bestandes im Jahr 2004 durch den NABU weniger erfolgreich. Nur wenige Bäume trugen große und gesunde Früchte, in der Mehrzahl wurden sehr kleine und optisch weniger schöne Äpfel geerntet.
Auf den Streuobstwiesen, die vom NABU betreut werden, erfolgt die Ernte durch NABU-Mitarbeiter sowie ehrenamtliche Helfer. Die Äpfel wurden nicht gepflückt sondern geschüttelt, da die halbhochstämmigen, sehr verzweigten Bäume es nicht zuließen, vor allem Äpfel in den oberen Baumbereichen zu pflücken. Die Weiterverarbeitung der Äpfel kurz nach der Ernte zu Apfelsaft wurde durch die geschüttelten und damit leicht beschädigten Früchte jedoch nicht beeinträchtigt. Die Äpfel wurden auf der Wiese in große Säcke gesammelt und von der „Weinkelterei Schauß“ in Markranstädt/OT Seebenisch direkt von der Wiese zum pressen abgeholt. Es wird nur erntefrisches, faulfreies und reifes Obst angenommen. Die Verarbeitung erfolgte innerhalb von 24 Stunden. Damit ist ein wichtiger Punkt im Vermarktungskonzept erfüllt: kurze Wege und regionaler Bezug, der schon bei der Ernte und Versaftung beginnt und bei der Vermarktung weitergeführt werden muss.

Die Pönitzer Apfelernte 2004, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf dieser Streuobstwiese durchgeführt wurde, reichte allein nicht aus, um eine ausreichende Menge an Saft für den Verbraucher zu pressen (44). Aus diesem Grund wurden Äpfel aus Streuobstwiesen der Region „Kohrener Land“, die der NABU ebenfalls bewirtschaftet, mit den Pönitzer Äpfeln gemischt und zusammen verarbeitet. Die Gesamtapfelernte 2004 betrug damit 3,2 Tonnen. Diese Menge ist im Vergleich zu anderen Streuobstwiesen-Regionen Deutschlands nicht viel und könnte auch noch ausgebaut werden. Einerseits könnte dies durch die Bewirtschaftung weiterer Obstwiesen möglich werden(45), andererseits besteht eine Möglichkeit in der Annahme von Streuobst, das von Eigentümern selbst gepflückt wurde. In bisher nur einem Fall ist es Eigentümern einer Streuobstwiese möglich, ihre Äpfel der NABU-Ernte beizusteuern und so eine gute Verwendung für ihr Obst zu finden. Das Problem liegt darin, dass es eine Sicherheit geben muss, dass die Streuobstwiesen und damit auch das Obst frei von jeglichen Pflanzenschutz- und Düngemitteln sind. Der NABU muss für den Inhalt des daraus gepressten Saftes die Verantwortung übernehmen und somit die Qualität des Streuobstes überprüfen. Vielleicht wäre es aber möglich, mit Streuobstbesitzern Absprachen zur extensiven Nutzung zu treffen und gegebenenfalls Streuobstwiesen zu begutachten. Besitzer die gewollt sind, ihr Streuobst mitpressen zu lassen und im Gegenzug dafür günstig wertvollen Saft zu erhalten, werden im Sinne der guten Qualität des Saftes handeln.

Ernte der anderen Obstarten

Da 2004 die erste Ernte in Pönitz erfolgte und man sich dabei nur auf Äpfel konzentrierte, kam es bei den Birnen, Kirschen und Pflaumen zum Fruchtabfall ohne Ernte. Um auch diese Obstsorten zukünftig zu nutzen, müssen in den kommenden Jahren neben der Verwertung der Äpfel zu Apfelsaft auch Nutzungsmöglichkeiten für die anderen Obstarten gefunden werden. Möglich wäre dabei die Herstellung von Mehrfruchtsäften. Weiterhin bestände die Möglichkeit der Verpachtung einzelner Bäume an Selbstpflücker. Denkbar wäre auch die Durchführung von „Pflückwochenenden“, bei denen das nicht genutzte Obst günstig von Interessierten selbst für den Eigenbedarf gepflückt werden kann. Auf diese Weise würden die Mitglieder der NABU bei der Ernte entlastet und das Obst könnte sinnvoll genutzt werden. Vor allem für die angrenzende Leipziger Stadtbevölkerung könnte so garantiert ungespritztes Obst ernten.
Die Ernte der Süßkirschen wird sich als besonders schwierig erweisen, da die Bäume sehr hohe Kronen gebildet haben und die Kirschen auch nur mit der Hand gepflückt werden können. Als Hilfsgeräte können Anlehnleitern bzw. freistehende Standleitern bereitgestellt werden, der Arbeitsaufwand wird dennoch sehr hoch sein.

(43) Es gab keine vollständige Ernte des gesamten Bestandes, nur zum Eigenbedarf wurde gepflückt. Es war bereits 2003 zu erkennen, dass die Äpfel in großen Teilen sehr klein waren und die Ursache in der mangelnden Pflege der Bäume zu suchen ist.
(44) Durch die erstmalige Ernte war im Voraus noch keine Aussage über die zu erwartende Menge an Äpfeln für die Vermostung möglich. Des weiteren bestand mit dem Eigentümer die Absprache, als Entschädigung für die Pflege der Streuobstwiese das Obst der gesamten Wiesen unentgeltlich nutzen zu dürfen. Als es zur Ernte kam, war ein Grossteil des Obstes (v. a. Äpfel) bereits vom Eigentümer privat entnommen. Dieses Handeln ist für das weitere Bestehen einer guten Zusammenarbeit beider Interessengruppen (Eigentümer und Pfleger / Nutzer) sehr hinderlich und sollte so schnell wie möglich (vertraglich) geklärt werden.
(45) Dies erweist sich in der Praxis aber nicht ganz so einfach, da erst Eigentümer gefunden werden müssen, die bereit sind, ihre Flächen vom NABU ökologisch bewirtschaften zu lassen


 
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