Die Pflanzenwelt der Obstwiesen

Bei den Unterkulturen der Streuobstbestände handelt es sich heute fast ausschließlich um Wiesen. Sie werden zur Futter- oder Heugewinnung, als Weide, als Mulchwiese und nur selten als Wiese zur Streugewinnung genutzt.
Intakte Streuobstwiesen gehören im Flachland von Sachsen floristisch gesehen zu den mageren Glatthaferwiesen (JÜNGER 1995) mit ihren unterschiedlichen Ausformungen. In diesen Wiesengesellschaften existieren noch zahlreiche gefährdete Pflanzenarten (10). Die zumeist extensive Bewirtschaftung der Bodenvegetation führt zur Ausbildung von selten gewordenen und gefährdeten Pflanzengesellschaften mit einem großen Reichtum an Gefäßpflanzenarten. Der größere Artenreichtum der Vegetation auf Streuobstwiesen ist im Vergleich zu „normalen“ Wirtschaftswiesen besonders auffällig. Auf kleinem Raum kann man hier nebeneinander Pflanzen mit unterschiedlichen Ansprüchen bezüglich Nährstoffversorgung, Licht und Feuchte finden. Kennzeichnend für die Vegetation von Obstwiesen ist, dass sich die Pflanzenwelt unterhalb der Baumkronen von der im Lückenbereich zwischen den Bäumen unterscheidet (vgl. dazu NATURSCHUTZZENTRUM HESSEN (Hrsg.) 1988).
An Stamm und Krone insbesondere alter Obstbäume wachsen teilweise seltene Epiphyten (Moose und Flechten). Sonderstrukturen, wie z.B. Trockenrasen, Hecken, Wegsäume oder Steinhaufen, wie man sie oft in der Nähe von Streuobstbeständen findet, können den Biotopwert eines solchen Lebensraumes besonders erhöhen. Hier siedeln sich seltene, teilweise sehr spezialisierte Tiere, Insekten oder Pflanzenarten an, welche in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft keinen Lebensraum mehr finden würden (AID 1995; BÖNING-SPOHR 1994; LUCKE et al. 1992; SIMON 1992).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in den Streuobstgebieten im Vergleich zu klimatisch ähnlich gelagerten Laubwaldgebieten die Bioproduktion und auch die Artbestände wesentlich gesteigert sind (11). In Streuobstbeständen existiert eine sehr starke Randeffektwirkung, so dass aus ökologischer Sicht eine hohe Anzahl an Nischen für einzelne Arten entsteht.

Naturschutz

Bei den Streuobstwiesen handelt es sich um eine alte Kulturlandschaft die von Menschenhand angelegt, gepflegt und genutzt wurde. Nur über die Nutzung werden die Obstwiesen gepflegt und damit auch erhalten. Die Naturschutzverbände haben dies erkannt und unterstützen den Obstwiesenschutz durch Vermarktung als Konzept des praktischen Naturschutzes. So sind unter Mitwirkung der Naturschutzverbände Vermarktungsinitiativen entstanden.
Heute werden Obstwiesen vordergründig aus ökologischen Gründen angelegt bzw. vorhandene Obstwiesen gepflegt, wirtschaftliche Erwägungen stehen aktuell nicht im Vordergrund. In diesem Sinne ist ein möglichst großes Angebot an Strukturen, z.B. Höhlen u. Totholz, wünschenswert. Dieses nimmt mit dem Alter der Gehölzbestände zu. Höhlenreichster Baum ist i.d.R. der Apfel. Bezüglich der Grünlandflächen ist eine möglichst extensive und/oder variantenreiche Nutzung anzustreben. Es gilt: je größer die Obstwiese ist, desto größer ist die Artenvielfalt und das Artenvorkommen. In vielen Fällen muss eine Biotopvernetzung in Form von z. B. Feldheckenpflanzungen zu anderen Biotopflächen neu herbeigeführt werden, damit v.a. kleine Streuobstflächen unter 1 ha nicht noch mehr isoliert werden und die gewünschte ökologische Wirkung einsetzen kann (SCHIERENBECK 1997, vgl. Kap. 5.5).

(10) u.a. Glatthafer (Arrhenaterum elatius), Wiesenlabkraut (Galium mollugo), Wiesenglockenblume (Campanula patula), Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Margerite (Chrysanthenum leucanthemun), vgl. auch BRIEMLE, EICKHOFF und WOLF 1991.

(11) So zeigen die Untersuchungen von Funke et al. (1986), dass eine 5-10 mal höhere Trockenbiomasse in den Streuobstgebieten erzeugt wird als im Vergleich zu einem Waldgebiet.

 
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