Pflanzung der Jungbäume

Im Folgenden werden die wichtigsten Pflanzkriterien aufgezeigt:

• Pflanzabstand: 10 bis 12 m bei stark wachsenden Obstgehölzen (Apfel-, Birn- und Süßkirschen), 8 bis 9 m bei mittelstark wachsenden Pflaumenbäumen.

• Pflanztermin: Der optimale Termin ist der Herbst, bei großem Befallsdruck durch Wühl oder Feldmäuse kann auch im Frühjahr gepflanzt werden (frostfreier Boden), da die Wurzelbildung schon lange vor Austrieb einsetzen kann.

• Vorgehensweise:
1. Ausheben der Pflanzgrube: 80x100 cm breit und 50 cm tief. Vorhandene Erde mit Kompost vermischen, Verdichtungen vermeiden.

2. Baumstütze: Einbringung eines (oder mehreren) 2,30 bis 2,50 m langen Pfahls vor der Pflanzung, um dem Jungbaum in den ersten Jahren Halt zu geben (muss nach der Pflanzung die gleiche Länge wie der Stamm des Baumes aufweisen, sollte etwa eine handbreit unter dem ersten Seitenast enden und darf aber nicht bis in die Krone hineinreichen).

3. Verbissschutz: Um den Baum vor Mäusen und Hasen zu schützen, wird der Wurzelballen in ein Drahtgeflecht mit höchstens 16 cm Maschenweite eingeschlagen und der Stamm bis in eine Höhe von etwa 100 bis 150 cm mit einer Drahthose versehen.

4. Wurzelschnitt: Kranke und beschädigte Wurzelteile sind zu entfernen und bis in die intakten Bereiche zurückzuschneiden. Sonstige Wurzeln werden um ein Drittel gekürzt.

5. Baum pflanzen: Ein Teil des Erde-Kompost-Gemisches an die Wurzeln in den Drahtkorb bringen. Baum ständig leicht rütteln, um Bodenschluss mit dem Wurzelwerk zu gewährleisten. Drahtkorb oben im Stammbereich zusammenfügen. Restliche lockere Erde und sonstigen Boden in die Pflanzgrube einbringen und verdichten. Veredlungsstelle muss 10 cm aus dem Boden herausschauen.

6. Pflanzschnitt: siehe 5.1.2.2.5

7. Angießen: Bei Frühjahrspflanzungen mit bereits angetriebenen Jungbäumen oder bei trockener Erde sollte auf jeden Fall angegossen werden, damit die Wurzeln Bodenschluss erhalten. Im Herst erübrigt sich meist das Angießen. Die Baumscheibe sollte leicht muldenartig sein, damit sich darin das Regenwasser sammeln kann.

5.1.2.2.4 Pflege der Jungbäume
Werden die folgenden Pflegeanweisen befolgt, ist ein gutes Wachstum der Jungbäume zu erwarten:
• Erziehungs- und Instandhaltungsschnitt (siehe 5.1.2.2.5).

• Regelmäßige Kontrolle des Pfahles und der Anbindung des Baumes in den ersten 3 bis 5 Jahren.

• Freihaltung der Baumscheibe von nennenswertem Pflanzenwuchs im ersten Jahr mit einem Durchmesser von mindestens 1 m, danach mindestens bis zum 5. Standjahr mit einem Durchmesser von wenigstens 1,50 m durch Abdecken der Baumscheiben mit Gras oder anderem organischen Material. Freigehaltene Baumscheiben sind die beste Grundlage für ein zügiges Wachstum und – vor allem im Winter – eine gute Garantie gegen Schäden durch Wühlmäuse, eine der häufigsten Ursachen von Baumausfällen in Streuobstpflanzungen (deshalb auch die Abdeckung bis September wieder entfernen, um so das Ansiedeln von Wühlmäusen und damit die Zerstörung des Wurzelsystems zu verhindern).

• Schutz vor Wildverbiss durch Hasen, Kaninchen oder Rehwild mit Hilfe von Drahthosen am Stamm der Jungbäume (keine Befestigung am Stamm).

• Im 1. Standjahr gute Bewässerung (mindestens einmalig, besser zwei- bis dreimalig) im Stammbereich.

• Düngung (vgl. Kap. 5.1.2.3).

Schnitt der Jungbäume

Der unmittelbare Baumschnitt nach der Pflanzung und der danach einsetzende jährliche Erziehungsschnitt nehmen eine besonders wichtige Rolle bei der Pflege der Jungbäume auf Streuobstwiesen ein. Die Ziele des Obstbaumschnitts kann man folgendermaßen zusammenfassen:


• Erleichterung des Anwachsens,
• Verbesserung der Obstqualität,
• Stabilisierung des Baumgerüstes,
• Verkürzung der ertraglosen Jugendphase,
• Minderung der Alternanz,
• Vorbeugung und Entfernung alter und kranker Pflanzenteile,
• Optimierung des Kleinklimas im Baum.

Nach fünf- bis sechsjähriger Aufzucht in der Baumschule werden die Hochstämme gerodet und an ihren endgültigen Standort in die Landschaft gepflanzt. Danach muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den nach dem Roden in der Baumschule stark eingekürzten Wurzeln und der zurückgeschnittenen Baumkrone wiederhergestellt werden. Beim Pflanzschnitt beginnt bereits der Aufbau der Krone, denn eine in den ersten Jahren gut aufgebaute Krone macht später wenig Schnittarbeit. Die Folge eines fehlenden Pflanzschnittes ist der Eingang bzw. ein verkümmertes Wachstum der Bäume. Der zweckmäßige Obstbaumschnitt soll den Jungbaum möglichst bald in das „Physiologische Gleichgewicht“ bringen und den Ertragsbaum anschließend so lange wie möglich in diesem Gleichgewicht halten.

3-jähriger Birnbaum 15jähriger Birnbaum mit ausge- 40jähriger Birnbaum mit fehlen-
mit übermäßig star- wogener Holz- und Fruchttrieb- der Holz- und überreicher
ker Holz- und fehlen- bildung: Im „Physiologischen Fruchttriebbildung: Nicht mehr
der Fruchttriebbildung: Gleichgewicht“ im „Physiologischen Gleichge-
Noch nicht im „Physio- wicht“.
logischen Gleichgew.“

Der Pflanzschnitt darf bei Temperaturen unter -3 bis -4 °C nicht durchgeführt werden, weil die Gehölze Schnitteingriffe bei gefrorenem Holz schlecht vertragen. Ein günstiger Schnitttermin ergibt sich in der Regel in den Monaten November / Dezember und in den Nachwintermonaten ab Mitte Februar (FUNKE 1999) (36) .
Folgende Schnittmaßnahmen sind durchzuführen: (FUNKE, W. 1999; SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (Hrsg.) 2003; STIFTUNG NATURSCHUTZFONDS BEIM MINISTERIUM LÄNDLICHER RAUM BADEN-WÜRTTEMBERG 1997):


Pflanzschnitt:
• Entfernung etwaiger Konkurrenztriebe zum Mitteltrieb.
• Mitteltrieb und 3 – 4 in gleichem Abstand um den Stamm gestreut gruppierte Seitentriebe als künftige Leitäste bestimmen.

• Diese um ein Drittel oder die Hälfte der Länge auf ein Auge nach außen zurückschneiden.

• Mitteltrieb und Leitäste ergeben so ein „Dachgiebel“ von etwa 120°.
• Leitäste sollen einen Winkel von 45° bis 60° zur Stammverlängerung besitzen, um die optimale Entwicklung des Astgerüstes zu gewährleisten.

• Bei Abweichungen kann dieser Winkel durch Abspreizen, Herab- oder Heraufbinden gefördert werden.

• Übrige, von der Stammverlängerung ausgehende Äste sind bis auf annähernd waagerechte, zukünftige Fruchtäste zu entfernen.

• Die Mindesthöhe für Astansätze bei Hochstämmen beträgt 180 cm.

Erziehungsschnitt:
• Für den Erziehungsschnitt gelten die gleichen Grundsätze für den Pflanzschnitt.
• Ein starkes Zurückschneiden bewirkt ein erhöhtes Triebwachstum, ein schwacher Schnitt hat ein schwächeres Wachstum und einen früheren Ertrag zur Folge.

• Konkurrenztriebe, die sich aus den Augen unterhalb des letztjährig angeschnittenden äußeren Auges an Mitteltrieb und Leitästen bilden, müssen entfernt werden.

• Auch nach innen wachsende Äste werden an der Basis weggeschnitten.
• Von den Leitästen nach außen wachsende, zukünftige Fruchtäste, bleiben ungeschnitten. Sie dürfen diese jedoch nicht überragen, weil sonst deren Wachstum behindert wird.

• Auch Triebe, die von der Stammverlängerung ausgehen, müssen in der Höhe soweit reguliert werden, dass sie die Höhe der Leitäste nicht überschreiten.

• Nach 6 bis 8 Standjahren soll der Aufbau des Kronengerüstes beendet sein.

• Sollte es zum Absterben von Jungbäumen kommen, sind diese spätestens im Folgejahr zu ersetzen.
Wenn der Streuobstbestand und vor allem die Nachplanzungen regelmäßig kontrolliert werden, ist ein rechtzeitiges und fachgerechtes Reagieren auf Krankheits- oder Schädlingsbefall möglich. Ein Schwerpunkt sollte dabei auf der augenscheinlichen Kontrolle der Bäume auf Holz- und Rindenerkrankungen liegen. Dadurch können auch so gefährliche Krankheiten wie der meldepflichtige Feuerbrand rechtzeitig erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Der Befall mit tierischen Schädlingen muss schwerpunktmäßig durch visuelle Kontrollen an den verschiedenen Pflanzenteilen (Blatt- und Blütenbüschel, Kurz- und Langtriebe, Früchte) erfasst werden. Ergänzend dazu können Fruchtholzuntersuchungen im Winter und Klopfproben im Frühjahr möglich sein.

(36) Der Vorwinter- oder frühe Winterschnitt ist die zweckmäßigste Maßnahme für alle Bäume, deren Wachstum nicht ausreichend kräftig ist und die durch den Winterschnitt besonders gekräftigt werden sollen. Der Nachwinterschnitt kann für die Bäume empfohlen werden, die zu stark wachsen und daher in ihrem Wachstum gebremst werden sollen. Das sind in erster Linie Jungbäume, aber auch Bäume auf zu starken Unterlagen bzw. zu gut ernährte Bäume. Werden Bäume im Sommer geschnitten, wird das Wachstum nicht gefördert. Der Sommerschnitt schränkt es durch die Beseitigung von Assimilationsfläche ein. Er ist damit als einziger Schnitt eine wirkliche Triebbremse.


 
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