Grundlagen des Prozesskostenmanagement

Anwendungsgebiete der Prozesskostenrechnung

Prozessorientierte Deckungsbeitragsrechnung

In Mehrproduktunternehmen wird für die Ergebnisrechnung und Erfolgsrechnung zur (Produkt-) Programmoptimierung die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung angewandt.(1) In Einproduktunternehmen, wie z.B. einer Zuckerfabrik, sind sämtliche Kosten - auch die Fixkosten (beinhaltet auch Gemeinkosten) - auf das eine Produkt, (z.B. Zucker) zurechenbar. Damit entfällt eine stufenweise Fixkostendeckungsrechnung und der Aufwand für eine Prozesskostenrechnung ist in einem solch einfach strukturierten Unternehmen zu überdenken.
Ziel der stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung ist es, den Erfolg oder Deckungsbeitrag für bestimmte Produkte oder Produktgruppen, Unternehmensbereiche (Kostenstellen) oder Absatzregionen zu messen. Dies erfolgt durch die differenzierte Aufspaltung des Fixkostenblocks auf die ursächlichen Produkte, Kostenstellen oder zusammengefassten Kostenstellen. (z.B. Fixkosten des Werks A für Produkt B, weil es dort hergestellt wird, oder Fixkosten der Kostenstelle des Vertriebes für Sachsen-Anhalt). (2) Die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung wird auch Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung genannt. Im nachfolgenden (vereinfachten)  Beispiel wurde eine stufenweise  Fixkostendeckungsrechnung den jeweiligen Kunden und Absatzregionen zugerechnet.(3)

Beispiel: Stufenweise Fixkostendeckungsrechnung
nach Kunden und Region in T€

Vertriebs-region

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Summe

Handel

Laufland

Matro

Fedeka

Laufland

Matro

Fedeka

 

Umsatz

14.500

6.850

2.500

10.200

6.800

1.250

42.100

variable Kosten

4.350

2.055

750

3.060

2.040

945

13.200

DB I

10.150

4.795

1.750

7.140

4.760

305

28.900

Bereichs-fixkosten

1.350

980

9.50

1.260

990

960

 

DBII

8.800

3.815

8.00

5.880

3.770

-655

22.410

DB nach Region

13.415

8.995

22.410

Restfixkosten

5.600

 

Erfolg

 

16.810

Durch die Einbeziehung der Prozesskostenrechnung kann die Aussagekraft einer Deckungsbeitragsrechnung verbessert werden.
Für eine prozessorientierte mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung nach Produkten oder Produktgruppen sind die dafür relevanten Prozesse wie Beschaffungs-, Fertigungssteuerungs- oder Produktionsvorbereitungsprozesse zu ermitteln. Bei einer prozessorientierten Deckungsbeitragsrechnung auf den Kunden bezogen sind alle Gemeinkosten, die unmittelbar mit diesem im Zusammenhang stehen, zu berücksichtigen. Das sind Auftragsabwicklungs-, Versand- und Vertriebsprozesse (Auftragsannahme, Rechnungslegung, Kommissionierung etc.). Die prozessorientierte Deckungsbeitragsrechnung ersetzt allerdings die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung nicht, sondern ergänzt diese mit relevanten Prozesskosten.
Der Informationsgehalt wird dabei erhöht. Lässt man bei einer Kundendeckungsbeitragsrechnung die relevanten Prozesse wie Auftragsabwicklung, Kommissionierung und Versand mit einfließen, kann in Zahlen dargestellt werden, dass Kunden mit größeren Bestellmengen pro Auftrag effizienter sind als Kunden mit kleineren Auftragsmengen. Der Unterschied im Kostenaufwand für eine Bestellung von 64 Karton/Europalette/Auftrag oder nur 12 Karton/Europalette/Auftrag ist marginal, d.h. unabhängig davon ob ein Kunde regelmäßig größere oder kleinere Bestellmengen aufgibt, der Aufwand für die Auftragsbearbeitung ist in der Regel gleich. Das bedeutet die Kosten steigen nicht proportional mit größeren Auftragsmengen.

Grundschema einer prozessorientierten Deckungsbeitragsrechnung:

Beispiel: prozessorientierte Deckungsbeitragsrechnung,
Angaben in € (4)

Prozessorientierte (Kunden-) Deckungsbeitragsrechnung

 Umsatz

50.000

 - Materialkosten

21.000

 - proportionale Fertigungskosten

2.000

 DB I (produktbezogen)

27.000

 - prozessorientiert ermittelte Herstellkosten

11.000

 - prozessorientiert ermittelte Produktbetreuungskosten

4.000

 DB II (produktbezogen)

15.000

 - Auftragsabwicklungskosten Standardprodukte

 

 (15 Aufträge x 313)

4.695

 - Auftragsabwicklungskosten

 

 (2 Aufträge x 1.692)

3.384

 DB III (kundenbezogen) (mit Kundenabwicklungsprozessen)

6.921

 - Kundenbetreuungskosten

 

 (durchschnittliche Betreuungskosten pro Jahr 3.231)

3.231

 - Kundenbezogene Entwicklungsarbeiten

 

 (2 Produktmodifikationen x 2087)

4.174

 Kundengesamtergebnis

-484

Prozessorientierte Deckungsbeitragrechnungen können auch bezogen auf Absatzregionen, Kundengruppen oder Produkte und Produktgruppen durchgeführt werden, wenn die relevanten Prozesskosten vorliegen. (5) Wie im vorangegangenen Kapitel bei der prozessorientierten Kalkulation kritisiert, kann eine prozessorientierte Deckungsbeitragrechnung nicht völlige Transparenz schaffen, da bestimmte Aktivitäten nicht direkt zurechenbar sind. Hier sind voranging die leistungsmengenneutralen dispositiven Tätigkeiten, wie z.B. „Abteilung leiten“, gemeint.

Quellen:

(1) Vgl. Däumler, Grabe, Kostenrechnung 2-Deckungsbeitragsrechnung, 1994, S. 164
(2) Vgl. Olfert, Kostenrechnung, 1994, S. 325-329
(3) Vgl. R.Mayer, Prozesskostenrechnung- State of the Art, 1998, S. 21 ff
(4) in Anlehnung an: R.Mayer, Prozesskostenrechnung- State of the Art, 1998, S. 22
(5) Vgl. R.Mayer, Prozesskostenrechnung- State of the Art, 1998, S. 23