Sortenauswahl für Nachpflanzungen

Im Streuobstbau findet man eine fast unübersehbare Anzahl von Sorten. Vor allem beim Kernobst ist die Sortenvielfalt besonders groß und die Amplitude von anfälligen, in hohem Maße pflegebedürftigen Tafelsorten bis zu robusten Verwertungssorten besonders weit. Eine Auswahl der für den Streuobstbau geeigneten Sorten, in Bezug auf das Anbaugebiet, erscheint somit besonders wichtig.
Da kontinuierlicher Pflanzenschutz im Streuobstbau nicht akzeptiert wird, kommen neben klimatischer und standörtlicher Eignung nur Sorten mit einer gewissen Robustheit gegen Krankheiten und Schädlinge in Betracht. So manche bekannte Marktsorte (z.B. Golden Delicious, Gloster, Elstar oder Rubinette) scheidet somit von vornherein aus.
Die folgenden Sortenempfehlungen für Äpfel, Birnen, Pflaumen und Süßkirschen sollen helfen, aus der Vielzahl der existierenden Sorten, geeignete robuste Sorten mit hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen für die Pönitzer Streuobstwiese auszuwählen. Beim Apfel kommt es vor allem auf Schorf- und Krebsanfälligkeit an, bei Birnen gelten ähnliche Kriterien. Auch hat die Auswahl der Arten und Sorten einen entscheidenden Einfluss auf den späteren Pflegeaufwand. So benötigt die Süßkirsche nur sehr wenig Schnitt, Apfel, Birne und Pflaume sind dagegen sehr schnittbedürftig. Auch zwischen den Sorten bestehen erhebliche Unterschiede. So benötigen starkwachsende Sorten (z.B. Jacob Fischer) mehr Schnitt als schwächer wachsende Sorten (z.B. Goldparmäne). Einige Sorten, wie z.B. der Prinzenapfel, brauchen einen besonders sorgfältigen Erziehungsschnitt, um überhaupt einen befriedigenden Kronenaufbau zu erreichen. Im Hinblick auf die Erhaltung des Genreservoirs (vgl. Kap. 2.1.4) sind alte Sorten zu bevorzugen.

Die Tabellen M bis P (Anhang) geben einen Überblick über bewährte alte Apfel-, Birnen, Pflaumen- und Süßkirschensorten mit einer Eignung für den Streuobstbau im sächsischen Tief- und Hügellandbereich (vgl. SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (Hrsg.) (2003), BANNIER 2000).

Da es sich bei der Streuobstwiese Pönitz um eine bestehende Anlage handelt, muss bei der Sortenauswahl eine Abstimmung mit den bestehenden Obstsorten (vgl. Kap. 4.1.4) erfolgen, um eine gute Durchmischung des Bestandes weiterhin zu gewährleisten.
Ausgehend vom bestehenden Sortenbestand, den Sortenempfehlungen des Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und den Beschreibungen der verschiedenen Sorten (vgl. BISCHOF 1998, HARTMANN 2000, VOTTELER 1998) kommen durch eine günstige Kombination der oben genannten wichtigen Merkmale (v.a. schwacher bis mittelstarker Wuchs, wenig Anfälligkeit gegenüber Krankheiten) z.B. folgende Obstsorten für eine Neupflanzung im Altbestand auf der Streuobstwiese in Pönitz in Betracht. Darüber hinaus kann auf die sich bereits bewährten Sorten des Bestandes zurückgegriffen werden.

Tabelle 10: Sortenvorschläge für Apfel Jungpflanzen
Quelle: eigene Zusammenstellung nach oben genannter Literatur

Dülmener Rosenapfel

saftiger, lohnender Herbstapfel für Streuobstwiesen, Baum robust, mittelstark wachsend, guter Pollenspender, Widerstandsfähigkeit gegen Schorf, Blut- und Blattläuse, pflückreif Mitte 9, genussreif 9-12, als Mus, Saft, Tafelapfel

Finkenwerder Herbstprinz

robuster, mittelstark wachsender Baum, guter Befruchter, wohlschmeckender Winterapfel, lohnend für Streuobstwiesen, langlebig, da weder besonders schorf- und krebsanfälig noch im Holz frostempfindlich, pflückreif 10, genussreif 11-3, als Tafel- und Küchenapfel, Saft

Grahams Jubiläumsapfel

robuster und gesunder Baum, mittelstark wachsend, frostharte Streuobstsorte, sehr widerstandsfähig gegenüber Schorf, Mehltau und Krebs, guter Befruchter, pflückreif Mitte 9, genussreif 9-11, mehr Wirtschafts- als Tafelapfel (Koch-, Backapfel, Dörrobst, Mus)

Glockenapfel

Schwacher bis mittelstarker Wuchs, diploid, benötigt fachkundigen Schnitt, pflückreif Ende 10, genussreif bis 4, erfrischende Säure und gute Lagerfähigkeit, Tafel- und sehr guter Wirtschaftsapfel

Lunower

robuster und schön aussehender Apfel, Baum und Frucht wenig krankheitsanfällig, mittelstarker Wuchs, benötigt fachgerechten Jungkronenaufbau, pflückreif Mitte bis Ende 10, genussreif bis 3, Koch-, Back- und Saftapfel, auch Tafelapfel

Prinz Albrecht v. Preußen (Albrechtsapfel)

sehr ansprechend gefärbte Herbstsorte, robust mit schwachem bis mittelstarken Wuchs, guter Befruchter, pflückreif Ende 9-10, genussreif 10 bis 12,

Prinzenapfel

sehr alte deutsche Sorte, robuster, aromatischer Herbstapfel, kleinfrüchtig, pflückreif E 9, genussreif 9-11, mittelstarker Wuchs

Rheinische Krummstiel

reine Wirtschaftssorte, robust, pflückreif Ende 10, genussreif 1-5, mittelstarker Wuchs

Riesenboiken

robuste Wirtschaftssorte, sehr großfruchtig, pflückreif M10, genussreif 10-12, mittelstarker Wuchs

Tabelle 11: Sortenvorschläge für Birnen - Jungpflanzen
Quelle: eigene Zusammenstellung nach oben genannter Literatur

Bunte Julibirne

früheste mittelgroße Sommerbirne mit geringen Ansprüchen an Boden, geringe Schorfanfälligkeit, schwacher bis mittelstarker Wuchs, pflückreif Mitte Juli bis August,, genussreif unmittelbar danach, gute Befruchtersorte, Frischverzehr

Clairgeaus Butterbirne

robuste Sorte, schwacher Wuchs, pflückreif ab Mitte Sept., genussreif Okt. bis Nov., Tafel- und Wirtschaftsbirne

Gräfin von Paris

robuste, sehr fruchtbare Winterbirne für Streuobstanbau, mittelstarker Wuchs mit geringer Tendenz zu Verzweigungen, geringe Schorfanfälligkeit, pflückreif Nov., genussreif Jan.-Febr., Tafelbirne, für Kompott und Saft

Tabelle 12: Sortenvorschläge für Pflaumen - Jungpflanzen
Quelle: eigene Zusammenstellung nach oben genannter Literatur

Hauszwetsche

 hervorragende Sorte, sehr anpassungsfähig, mittelstark wachsend, selbstfruchtbar, Früchte für alle Zwecke zu verwenden: Frischverzehr, Bäckerei, Brennerei, Verwertungsindustrie, Trockenpflaume, Reife Ende Aug. bis Ende Sept.

Mirabelle aus Nancy

 bekannteste und ertragreichste Mirabellensorte für Streuobst, scharkatolerant, selbstfruchtbar pflückreife Mitte Aug. bis Anfang Sept., beliebte Konserven- und Brennware, auch Frischverzehr

The Czar

Mittelstarker Wuchs, pflückreif ab Anfang Aug., Tafel- und Industriefrucht

Tabelle 13: Sortenvorschläge für Kirschen - Jungpflanzen
Quelle: eigene Zusammenstellung nach oben genannter Literatur

Büttners Rote Knorpel

 Eine der ältesten gelbroten Knorpelkirschen mit guten Ertrags- und Fruchteigenschaften, Baum sehr robust und große Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standorte, Reife in der 5.KW

Kassins Frühe

 frühreife Herzkirsche, alte Sorte, Baum robust, mittelstarker Wuchs, reift in der 1./2.KW, lange Erntezeit, hervorragender Pollenspender z.B. für Büttners Rote Knorpel, Schneiders Späte Knorpelkirsche

Späte Knorpelkirsche

Schneiders Späte Knorpelkirsche eine weit verbreitete, großfrüchtige Knorpelkirsche, reift in der 6./7. KW

Die Jungbäume sind entsprechend den fachlichen Pflanzanweisungen (SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (Hrsg.) 2003) zu pflanzen und zu pflegen.

5.1.2.2.3 Pflanzung der Jungbäume
Im Folgenden werden die wichtigsten Pflanzkriterien aufgezeigt:
• Pflanzabstand: 10 bis 12 m bei stark wachsenden Obstgehölzen (Apfel-, Birn- und Süßkirschen), 8 bis 9 m bei mittelstark wachsenden Pflaumenbäumen.

• Pflanztermin: Der optimale Termin ist der Herbst, bei großem Befallsdruck durch Wühl oder Feldmäuse kann auch im Frühjahr gepflanzt werden (frostfreier Boden), da die Wurzelbildung schon lange vor Austrieb einsetzen kann.

• Vorgehensweise:
1. Ausheben der Pflanzgrube: 80x100 cm breit und 50 cm tief. Vorhandene Erde mit Kompost vermischen, Verdichtungen vermeiden.

2. Baumstütze: Einbringung eines (oder mehreren) 2,30 bis 2,50 m langen Pfahls vor der Pflanzung, um dem Jungbaum in den ersten Jahren Halt zu geben (muss nach der Pflanzung die gleiche Länge wie der Stamm des Baumes aufweisen, sollte etwa eine handbreit unter dem ersten Seitenast enden und darf aber nicht bis in die Krone hineinreichen).

3. Verbissschutz: Um den Baum vor Mäusen und Hasen zu schützen, wird der Wurzelballen in ein Drahtgeflecht mit höchstens 16 cm Maschenweite eingeschlagen und der Stamm bis in eine Höhe von etwa 100 bis 150 cm mit einer Drahthose versehen.

4. Wurzelschnitt: Kranke und beschädigte Wurzelteile sind zu entfernen und bis in die intakten Bereiche zurückzuschneiden. Sonstige Wurzeln werden um ein Drittel gekürzt.

5. Baum pflanzen: Ein Teil des Erde-Kompost-Gemisches an die Wurzeln in den Drahtkorb bringen. Baum ständig leicht rütteln, um Bodenschluss mit dem Wurzelwerk zu gewährleisten. Drahtkorb oben im Stammbereich zusammenfügen. Restliche lockere Erde und sonstigen Boden in die Pflanzgrube einbringen und verdichten. Veredlungsstelle muss 10 cm aus dem Boden herausschauen.

6. Pflanzschnitt: siehe 5.1.2.2.5

7. Angießen: Bei Frühjahrspflanzungen mit bereits angetriebenen Jungbäumen oder bei trockener Erde sollte auf jeden Fall angegossen werden, damit die Wurzeln Bodenschluss erhalten. Im Herst erübrigt sich meist das Angießen. Die Baumscheibe sollte leicht muldenartig sein, damit sich darin das Regenwasser sammeln kann.



 
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