Ausblick

Streuobstwiesen sind innerhalb des Naturschutzes nur ein kleines Detail. Ernsthafter Streuobstwiesenschutz ist jedoch keine Spielerei. Denn neben den rein praktischen Arbeiten mit Säge und Schere kommen Marketing-Aufgaben, Produktinnovationen, finanz- und fördertechnische sowie logistische und steuerrechtliche Fragen hinzu und man befindet sich mitten in der Diskussion um die Frage der umweltverträglichen Landnutzung und deren Perspektiven in der Zukunft. Die Bemühungen der Naturschutzverbände haben einen großen Anteil daran, den Abwärtstrend im Streuobstbau zu verlangsamen und die große biologische Diversität bei Obstsorten zu erhalten. Dennoch existieren gravierende Probleme, die es zu lösen gilt, um Streuobstbestände langfristig in größerem Umfang zu erhalten (Verbesserung der ökonomischen Anreize für die Streuobstbewirtschaftung z.B. durch Förderprogramme und innovative Streuobstprodukte; flächendeckende Fachberatung für Fragen zu Pflanzung, Pflege und Schnitt von Hochstammobstbäumen; Verbesserung der Qualitäten bei Jungbäumen aus Baumschulen). Doch die bisher aus naturschützerischer Sicht begründete Konservierung vorhandener Hochstammpflanzungen reicht für eine dauerhafte Bewahrung dieses prägenden Strukturelementes bäuerlicher Kulturlandschaft nicht mehr aus. Streuobstbestände dürfen nicht zu musealen Kunstgegenständen der Kulturlandschaft werden und sie sollten nicht unter ökologische Schutzhauben gestellt werden. Sie waren Produktionsstandorte und entstanden aus rentabilitätsbestimmten Überlegungen der Landnutzer heraus. Eine Analyse aller Gefahren, die dem Streuobstbau derzeitig drohen, ergibt, dass die heutige ungenügende betriebswirtschaftliche Rentabilität der Streuobstbestände die Fortführung der Bewirtschaftung beträchtlich einschränkt. Der Anreiz für das Wiederaufleben der Streuobstbestände muss in unserer marktbestimmten Gesellschaft von den Verbrauchern ausgehen. Erst dessen Verlangen nach Streuobst und Streuobstbeständen wird vorhandene Bestände sichern und neue aufbauen helfen.

Der Erhalt und die Wiedereingliederung der Streuobstbestände in unsere an Hochstamm-Obstbaumstrukturen verarmte Landschaft sind derzeit ökologisch und ästhetisch begründbar. Die Umsetzbarkeit von Bewahrung, Rückführung und Weiterentwicklung der Streuobstbestände wird letztendlich von der ökonomischen Resonanz bestimmt. Obstwiesen sind zum Symbol geworden für Vielfalt: Vielfalt in der Kulturlandschaft, biologische Vielfalt, Vielfalt im jahreszeitlichen Wechsel, Nutzungsvielfalt, Sortenvielfalt, Vielfalt in der Kommunikation aller Beteiligten und sensorische Vielfalt, die jeder, wenn er es möchte, jeden Tag erleben kann. Die heute von außen zum Ziel erklärten Nebenwirkungen des Streuobstbaus sind nur zu erhalten, wenn die Hauptwirkung – Obstproduktion – sinnvoll ist und der Streuobstbau aus diesem Grund seinen Platz in der Landwirtschaft und der Landschaft erhält. Wir wollen heute Streuobstbestände wegen ihrer ökologischen und landschaftsgestalterischen Bedeutung erhalten. Für den Grundstücksbesitzer ist das allein kein schlüssiges Argument, auch die Streuobstförderung nach dem Gießkannensystem dürfte für sich allein nicht zu stabilen und gesunden Obstanlagen führen. Unser Ziel muss sein, dass der Verbraucher gerne und aus Vertrauen wegen der außergewöhnlichen Wertigkeit Obst und Obstprodukte aus Streuobstanlagen kauft und zu einem reellen und wirtschaftlicher Basis errechneten Preis. Dann werden drei wichtige in der „Agenda 21“ geforderte Argumente erfüllt: ökologisch, ökonomisch und sozial.

Der Streuobstbau ist nicht chancenlos – aber bedroht


 
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