Baumpflege

Der Schnitt nimmt eine zentrale Stellung bei der Erhaltung der Bäume ein. Wie wichtig gerade der Pflanz- und Erziehungsschnitt ist, dokumentieren z.B. BRAUN u. KIESSLING 1991, FUNKE, 1999, LUCKE 1992, RIESS 2001 und SCHAAB 1991. Die vielen verschiedenen Schnittsysteme waren im Streuobstbau nie üblich. Dem Streuobstbau, als einer extensiven Form des Obstbaus, liegen einige einfache Regeln eines ebenso extensiven Schnittes zugrunde. Der Schnitt der starkwachsenden Hochstämme hat die Aufgabe, eine mittlere Ertragsfähigkeit über einen langen Zeitraum zu sichern. Hochstämmiger Obstbau geht von einer langen Lebensdauer aus, die durch Verwendung starkwachsender Sorten auf Sämlingsunterlagen erreicht wird. Abhängig von Standort, Sorte und Unterlage erreichen Hochstämme ein Alter von 60 bis über 100 Jahre (Birnbäume sind langlebiger als Apfelbäume) Hierbei kann man drei Entwicklungsperioden unterscheiden, nach denen der Schnitt sich richten muss.

In der Jugendperiode herrscht starkes Triebwachstum vor, weshalb Pflegeschnitte an jungen Bäumen unbedingt nötig sind, gleiches gilt für Bäume mit Befall von Pflanzenkrebs. Die Kronenbildung wird mit einem Aufbauschnitt unterstützt. In der nach 10 bis 15 Jahren beginnenden Ertragsperiode lässt das Triebwachstum nach und die Erträge setzen ein. Dieses Stadium ist bei regelmäßig durchgeführtem Erhaltungsschnitt der längste Abschnitt im Leben eines Baumes. Hierauf folgt die Altersperiode, in der die Fruchtbildung und das Triebwachstum stark nachlassen und in der ab einer bestimmten Phase auch durch Schnitt keine Verjüngung mehr hervorgerufen werden kann.

Altbestand

Da der Streuobstbestand in den 60er Jahren angelegt wurde und die letzten Nachpflanzungen in den 70er Jahren erfolgten, ist es dringend nötig, den Baumbestand zu verjüngen. Die „jüngsten“ Bäume haben bereits ein Alter von 30 Jahren erreicht. Knapp ein fünftel des Gesamtbestandes sind Baumruinen und Bäume mit erheblichen Alterserscheinungen (18,8 %).



Foto 6 + 7: Baumruinen mit Totholz - Quelle: eigene Aufnahme

Gerade die älteren Obstbäume sind aus naturschutzfachlicher Sicht mit ihren Asthöhlen und dem Totholz für die Tierwelt am wertvollsten. Dennoch ist ein Rückschnitt zur Verjüngung der Krone bei den jahrelang vernachlässigten Altbäumen (30 bis 40 Jahre) eine der wichtigsten Erhaltungsmaßnahme des gesamten Streuobstbestandes. Dabei muss fachgerecht und vorsichtig vorgegangen werden. Die Wiederherstellung eines tragfähigen Kronengerüstes soll erstes Ziel der Schnittmaßnahme sein. Je älter ein Baum allerdings ist, desto weniger sollte man versuchen, ihn noch „korrigieren“ zu wollen.

Ein Wiederherstellungsschnitt lohnt sich nur bei den Obstbäumen, bei denen ein Verjüngungseffekt zu erwarten ist. Überalterte, kranke und tote Bäume sollten größtenteils entfernt werden und durch Nachpflanzungen ersetzt werden. Dabei ist im Hinblick auf Naturschutzaspekte der Verbleib von Totholz und von einzelnen, besonders wertvollen Baumruinen immer duldbar (vgl. Kap. 5.5) und sogar erwünscht. Ihr Anteil sollte allerdings in der Regel 5 % des gesamten Baumbestandes nicht übersteigen, damit rechtzeitig Platz für nachwachsende Bäume geschaffen wird. Bei der Beseitigung von abgestorbenen Bäumen sind in erster Linie die halbhohen Bäume zu entfernen, da tote Hochstämme wesentlich höheren ökologischen Nutzen aufweisen als die Halbstämme. Des Weiteren wäre es wünschenswert, die kleinkronigeren Zwischenbäume aus der Pönitzer Anlage zu entfernen, um für die Hauptbäume den vollen Standraum zu schaffen.
Zur Erhaltung der Ertragsleistung empfehlen sich bei den älteren Bäumen folgende Instandhaltungsmaßnahmen:
• Entfernen von einjährigen, steil stehenden Trieben, so genannten Wasserschosse,
• Einkürzung schwächerer Triebe, wenn zusätzlich die Bildung von Fruchtholz gewünscht wird,

• abgetragene Fruchtruten sind auf waagerecht oder steiler stehende Äste abzuleiten,
• durch starken Rückschnitt von Stammverlängerung und Leitästen kann ein erneuter Austrieb ausgelöste werden.

Dabei benötigt jeder Baum unterschiedliche Pflege. Beim Apfel ist beispielsweise bis zum drei- bzw. vierjährigen Astabschnitt eine gute Ertragsleistung gewährleistet. Bäume, die über einen ausreichenden Neutrieb verfügen, werden nur sehr behutsam ausgelichtet. Wenn der Erhaltungsschnitt fachmännisch spätestens im nächsten Jahr durchgeführt wird, genügt es, den Schnitt aller zwei bis fünf Jahre zu wiederholen(33) . Nur mit einem behutsamen Erhaltungsschnitt wird es für die 30 bis 40 Jahre alten Bäume möglich sein, den Eintritt der Altersperiode hinauszuzögern (Schnittanleitungen ausführlich in: FUNKE (1999) RIESS (2001); SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (Hrsg.) (2003).
Vor der Entscheidung, welche Schnittmaßnahmen an den einzelnen Bäumen durchzuführen sind, sollte die Baumstruktur genau analysiert werden, denn Schnittfehler sind oft nicht mehr rückgängig zu machen. Völlig falsch wäre es, die Kronen radikal herunter zuschneiden und auszulichten, in der Annahme, dann für einige Jahre auf den Schnitt verzichten zu können (vgl. HEIMEN und RIEHM 1987).



Foto 8 + 9: Stark schnittbedürftiger Apfelbaum und ein weniger schnittbedürftiger Kirschbaum
Quelle: eigene Aufnahme

Der Zeitaufwand für den ersten Erhaltungsschnitt muss sehr hoch angesetzt werden. Bei einem Forschungsvorhaben der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Würzburg (2002) wurde untersucht, ob sich die Wiederaufnahme der Pflege vernachlässigter Streuobstbestände noch lohne. Die Versuchsfrage war bei einem seit etwa 10 Jahren nicht mehr geschnittenen Bestand eindeutig mit ja zu beantworten, während sich auf einer bereits verbuschten Streuobstwiese ein differenzierteres Bild ergab: Aus Sicht des Naturschutzes war eine Entbuschung zu begrüßen, wohingegen die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung insgesamt negativ ausfiel. Der Zeitaufwand für den Kronenschnitt war enorm (2 Schnitte) und betrug pro Baum beim Apfel im durchschnitt 138 min, bei der Birne 157 min und bei der Pflaume 113 min. Bei dem seit 10 Jahren nicht mehr gepflegten Bestand lag der Zeitaufwand wesentlich niedriger (Apfel 60 min, Birne 67 min). Bezogen auf das Kronenvolumen war bei beiden Flächen der Pflegeaufwand für die Pflaume am höchsten, gefolgt von Apfel und Birne.

Weit verbreitet war bisher die Vorstellung, dass der Obstbaumschnitt im Winter zu erfolgen hat. Diese Annahme ist aber nur teilweise richtig. Der Schnitttermin hat eine wesentliche Bedeutung für die künftige Entwicklung der geschnittenen Bäume und beeinflusst die Sicherung einer schnellen Verheilung der Schnittwunden. Diese stellen potentielle Eintrittsorte für Rindenkrankheitserreger dar. Bei Apfel- und Birnenbäumen sollte der Schnitt am zweckmäßigsten unmittelbar vor dem Vegetationsbeginn (Austrieb) durchgeführt werden (Ausnahme: Kirsche: nach der Ernte), weil dort der Kronenaufbau gut erkennbar ist.

Die Vitalität ungepflegter bzw. verwahrloster Obstbäume kann durch gezielte Pflegemaßnahmen deutlich verbessert werden.. Durch die Auslichtung der Kronen und durch die Beseitigung der Konkurrenzvegetation kann die Qualität des Obstes erhöht werden. War bei der diesjährigen Ernte der Großteil der Früchte sehr klein und qualitativ schlecht, sollte durch einen baldigen Verjüngungsschnitt eine qualitativ und quantitativ bessere Ernte zu erwarten sein.

Schwierigkeiten bereitet oft die Beseitigung des anfallenden Schnittholzes, da es nicht mehr, wie früher üblich, als Brennholz verwendet wird. Auf der Pönitzer Streuobstwiese bietet sich an, das Schnittholz an geeigneten Stellen gezielt in Form von sogenannten „Igelhaufen“ zu deponieren, die auch zahlreichen anderen Tieren Unterschlupf gewähren können.

(33) Ein regelmäßiger Schnitt ist vor allem bei Apfelbäumen notwendig, Süßkirschen und Mostbirnen benötigen nach dem Erziehungsschnitt kaum eine weitere Regulierung der Krone durch einen Instandhaltungsschnitt.


 
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