Nachpflanzung/Jungbäume

Die Baumkartierung ergab einen großen Mangel an Jungbäumen, seit 30 Jahren wurde kein neuer Baum mehr nachgepflanzt. Neuanpflanzungen sind aufgrund der Überalterung bzw. des Totbaumanteils des Bestandes von besonderer Wichtigkeit, da Streuobstbestände aus Obstbäumen verschiedener Arten und Altersstufen bestehen. Vor allem die Bestände der Äpfel und Süßkirschen, die ja nur eine mittlere Lebensdauer haben, sollten so schnell wie möglich nachgepflanzt werden, um eine Überalterung zu verhindern.

Auch wenn der Streuobstbestand in Pönitz, so wie viele andere in Sachsen auch, im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen oder Naturschutz und Landschaftspflege nicht primär unter dem Gesichtspunkt einer späteren wirtschaftlichen Nutzung erneuert werden, so sollte doch die Auswahl der verschiedenen Obstarten / Obstsorten sowie ihre räumliche Anordnung innerhalb der Obstanlage genauso erfolgen, als ob eine spätere obstbauliche Nutzung beabsichtigt sei. Denn erfahrungsgemäß ist die dauerhafte Pflege einer Streuobstanlage und damit ihre dauerhafte Erhaltung am ehesten dann gewährleistet, wenn auch ein Interesse an der Nutzung des Obstes besteht und die Streuobstwiese nicht auf Dauer ein naturschutz- bzw. „behördlicher Pflegefall“ (BANNIER 2000) wird.
Als Voraussetzung für einen kontinuierlichen Fortbestand ist ein Anteil von ca. 10 Prozent Jungbäumen (1. bis 5. Standjahr) am Gesamtbestand anzustreben, da Jungbäume erst nach 15 bis 20 Jahren den Verlust bestehender alter Hochstämme und deren ökologische Funktion ausgleichen können. Hochstamm-Jungbäume benötigen sechs bis acht, bei manchen Arten (z.B. Birne) auch weitere Jahre, bis die ersten Früchte geerntet werden können.

Das Pflanzgut soll aus lokaltypischen, resistenten Sorten bestehen, für die Versaftung geeignet und wenig krankheitsanfällig sein. Die Mindeststammhöhe von 1,60 bis 1,80 m ist einzuhalten, von der Verwendung von Halbstämmen muss abgesehen werden. Die Durchmischung der Obstsorten auf der Streuobstwiese Pönitz ist beizubehalten, wobei auch die Befruchtungsbiologie der einzelnen Sorten die Wahl bestimmt. (34)
Bei den Nachpflanzungen ist auf einen guten, lockeren, gut durchlüfteten, nicht staunassen aber auch nicht zu trockenen Boden zu achten. Die existierenden Bodenverhältnisse versprechen gute Pflanzbedingungen (vgl. Kap. 3.2.2) Des Weiteren ist auf das Phänomen der Bodenmüdigkeit zu achten: Jungbäume sollten nicht unmittelbar an den gleichen Stellen wie ihre Vorgänger, sondern in die Zwischenflächen gepflanzt werden. Außerdem empfiehlt es sich, die Obstart zu wechseln. Vor allem Steinobstarten sollten, wenn möglich, auf ehemalige Kernobstflächen gepflanzt werden.

Idealerweise werden die Bäume aus einer nahe gelegenen Markenbaumschule, in der die Obstgehölze selbst angezogen werden, bezogen. Die Baumschule Müller in Oschatz wurde bereits in die engere Auswahl gezogen. Dort werden Obstbaum-Hochstämme im Alter von 5 Jahren für einen Preis zwischen 15 und 20 Euro verkauft. Kurze Transportwege und rasches Pflanzen begünstigen das Anwachsen der Bäume. Um bei größeren Pflanzvorhaben keine Schwierigkeiten zu bekommen, empfiehlt es sich, schon im Voraus die Anzucht der benötigten Jungpflanzen in Auftrag zu geben. Dies vermindert die Unsicherheit für die Baumschule und den Auftraggeber gleichermaßen.

Artenauswahl für Nachpflanzungen

Bei der Auswahl der Obstarten im Streuobstbau muss vor allem auf eine geringe Pflegebedürftigkeit geachtet werden. Anders als im intensiven Plantagenobstbau darf nicht die Tafelqualität der Früchte im Vordergrund stehen, sondern die Robustheit und Resistenz der Bäume gegen Krankheiten und Schädlinge, wodurch auf Pflanzenschutzmaßnahmen weitgehend verzichtet werden kann. Diese aus bewirtschaftungstechnischen Überlegungen resultierende Forderung kann auch aus ökologischer Sicht nur unterstützt werden, denn mit dem Verzicht auf die Anwendung von Bioziden steigt auch der Biotopwert der Streuobstbestände.

Im Unterschied zu den Verhältnissen der Intensivanlagen treten Tafelapfelsorten mit hohem Pflegebedarf ganz in den Hintergrund. Aus diesem Grund sollten weniger pflegebedürftigen Tafel- und insbesondere den Verwertungssorten der Vorrang gegeben werden. Ähnliches gilt auch für Birnen. Im Unterschied zum Kernobst ist beim Steinobst die Trennung zu den Intensivanlagen des Marktobstbaues weniger deutlich. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen ist die Pflegebedürftigkeit bei Kirschen und Pflaumen im Allgemeinen geringer als bei Tafeläpfeln und –birnen. Zum anderen fehlt es weitgehend an geeigneten schwachwachsenden Unterlagen für niedere Baumformen. Bei der Sortenwahl der Süßkirschen ist auf eine Verteilung der Reifezeit über die verschiedenen Kirschwochen zu beachten. Damit wird es möglich, die Erntezeit über einen größeren Zeitraum auszudehnen.
Wenn auch für Birnen, Pflaumen und Süßkirschen zurzeit auf der Pönitzer Streuobstwiese keine Nutzung angestrebt wird, sollten bei der Nachpflanzung abgängiger Bäume - je nach Bedarf - alle bereits vorhandenen Obstarten Berücksichtigung finden, um die Artendurchmischung weiterhin zu gewährleisten. Da es auf eine wirtschaftliche Nutzung gegenwärtig nur in zweiter Linie ankommt, spielen Gesichtspunkte wie Sortenvielfalt (Erhaltung genetischer Ressourcen) und historische Gesichtspunkte (Lokalsorten bzw. im Gebiet früher verbreitete Sorten) ebenfalls eine Rolle. (35)

(34) Die Sortenvielfalt spielt auch bei der Befruchtung der Obstbäume eine große Rolle: Alle Apfel- und Birnensorten sind selbstunfruchtbar, d.h., ihr sorteneigener Pollen kann sie nicht befruchten. Die Blüten bzw. die Narben sind auf die Bestäubung mit sortenfremden Pollen (Fremdbestäubung) angewiesen. Nur Sorten mit diploiden Chromosomensatz (2n = 34) sind gute Pollenspender (z.B. Gelber Edelapfel, Klarapfel, Zuccalmaglio). Steril sind Pollen triploider Sorten (z.B. Jakob Fischer, Kaiser Wilhelm, Boskoop), die im Gegensatz zu den normal funktionsfähigen diploiden Geschlechtszellen einen dreifachen, nicht ausbalancierten Chromosomensatz (2n = 51) enthalten (HEIMEN u. RIEHM (1987)). Im Streuobstbau waren die Befruchtungsverhältnisse bisher nie ein Problem, weil sich durch die Sortenvielfalt der Bestände immer, früher ohne dass man die Zusammenhänge kannte, irgendwelche Befruchterkombinationen ergaben.
(35) Die ausgewählten Sortenlisten für Streuobstpflanzungen laufen ins Leere, wenn die Baumschulen am Ende gar nicht die Sorten liefern können. Die sortenechte Beschaffung alter Obstsorten ist heute nicht mehr problemlos


 
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