Nutzungskonzept

Pflegeaufwand

Streuobstwiesen sind Kulturlandschaften, die gepflegt werden müssen. Anderweitig verlieren sie Vitalität, Fertilität und bringen Früchte von nur geringer Fruchtqualität hervor. Unterlassene Pflegeeingriffe führen zu verfrühter Abgängigkeit und damit zum Verlust des von Hochstamm-Obstbäumen geprägten Lebensraumes in den von Menschen geschaffenen Strukturen. Eine der wichtigsten Maßnahmen für den effektiven Aufbau und den Schutz von Streuobstwiesen ist deshalb die Gewährleistung einer regelmäßigen und fachgerechten Pflege. Gut durchdachte Arbeits- und Zeitabläufe ermöglichen im Voraus einen Gesamtüberblick über die langfristig anfallenden Pflegemaßnahmen.

Grünlandpflege

Die Grünlandpflege ist durch mechanische Pflege oder Beweidung mit Tieren durchführbar. Traditionell wurde das Mähgut verfüttert. Heutzutage wird das Gras vielerorts nicht mehr gebraucht, weshalb sich ein Mulchschnitt anbietet. Da eine Beweidung mit Tieren in der Regel nur dort durchgeführt wird, wo eine mechanische Pflege erschwert oder nicht durchführbar ist, beschränken sich die nächsten Aussagen auf das Mähen und Mulchen.
Da für den krautigen Unterwuchs auf der Pönitzer Streuobstwiese keine Verwendung gefunden wurde, bot sich als ersten Schnitt im Herbst 2004 (nach über 10jähriger Brache) ein Mulchschnitt an. Das bedeutet, dass das Schnittgut kleingehäckselt liegen bleibt und so der Nährstoffrückführung dient. Damit verringert sich der Düngebedarf der Obstwiese. Das Mulchen ist heute aus arbeitswirtschaftlicher Hinsicht wesentlich rationeller und bietet den Vorteil, dass man das Schnittgut nicht abzuführen braucht. Der Mulchschnitt kann in Zukunft allerdings zu einer gewissen Artenverarmung auf der Streuobstwiese bei Tieren- und Pflanzen führen, weil empfindlichere Pflanzen unterdrückt werden und z. B. viele größere Insekten dem Schlegelmäher zum Opfer fallen. Aus diesem Grund sollte zukünftig die Mulchauflage entfernt werden, um durch die dickere und dichtere Streuauflage eine erneute Ausbreitung von Disteln und anderen wurzelausläufertreibenden Pflanzen zu verhindern. Es empfiehlt sich bei Nichtnutzung des Unterwuchses eine Kompostierung.


Foto 5: Der erste Mulchschnitt im September 2004, zwischen den Obstbäumen konnte der Mulcher die stark verbuschte Fläche noch nicht entfernen
Quelle: eigene Aufnahme

Falls sich für das Gras in Zukunft ein Nutzer findet, wäre es aus naturschutzfachlicher Sicht zu empfehlen, den Großteil der Wiese extensiv zu mähen (30), um primär den Wiesen-Offenlandcharakter wieder herzustellen. Folgende Aspekte sind beim Mähen zu beachten (STIFTUNG NATURSCHUTZFONDS BEIM MINISTERIUM LÄNDLICHER RAUM BADEN-WÜRTTEMBERG 1997):
• Grashöhe: Um möglichst vielen Tieren und Pflanzen den Lebensraum zu erhalten, darf nicht zu tief gemäht werden. Eine Bearbeitungshöhe von 10 cm bietet Kleinlebewesen Schutz und reduziert außerdem den Leistungsbedarf der Maschine.

• Verträglichkeit der einzelnen Werkzeugarten: Messerbalken sind aus der Sicht des Naturschutzes unbedingt der Vorzug zu geben. So überlebten bei Wiesenmahd mit dem Messerbalken 48 %, bei Saugmähern 16 % und bei Mulchern nur 12 % der untersuchten Spezies (BRIEMLE u. ELLENBERGER 1994). Wenn kein Messerbalken vorhanden ist, sollte der Scheibenmäher oder das Kreiselmähwerk dem Mulcher vorgezogen werden.

Um den Eingriff für die seit Jahren auf der Streuobstwiese Pönitz ungestörte Tier- und Pflanzenwelt nicht zu gravierend zu gestalten, sollten anfangs einzelne Randbereiche als leichte (31) bis mittlere (32) Brachen belassen werden. Entlang der Wiese wäre ein ungemähter Randstreifen von etwa 3 Metern sinnvoll. Es muss letztendlich angestrebt werden, den eigentlichen Wiesencharakter wieder herzustellen.
Der erste Mäh- bzw. Mulchtermin sollte zwischen Juni und Mitte Juli liegen. Sinnvoll ist es, das Schnittgut vor Ort zur Heugewinnung zu verwenden, da durch das Heuwenden auch die Samen auf der Fläche verbleiben. Wird das Heu nicht benötigt, kann es kompostiert werden. Je früher der Mähtermin, desto höher ist der Nährstoffentzug. Das Mähgut sollte auf jeden Fall abgefahren werden.

Nach dem Schnitt können sich die Pflanzen wieder erholen und eine spätsommerliche Blütenpracht entwickeln. Sie ist, sofern sie nicht intensiv bewirtschaftet wird, die Blumenwiese, wie sie jedermann geläufig ist. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, ehe neben Glatthafer und anderen Gräsern zahlreiche bunt blühende Kräuter (z.B. Margerite, Klee- und Wickenarten, Schlüsselblume, Wiesenbärenklau, Wiesenschafgarbe, Wiesensauerampfer u. a.) auf der Pönitzer Wiese zu wachsen beginnen. Sollte sich in den nächsten Jahren eine Wiese entwickeln, so ist zu deren Erhaltung eine weitere Mindestpflege notwendig: „Ohne Sense und Heuernte keine Wiesenflora“ (ELLENBERG 1982). Das heißt, mindestens eine, besser eine zweimalige Mahd der Wiese. Ist ein zweiter Schnitt erforderlich, so erfolgt er kurz vor der Obsternte. Unterbleibt diese, dann werden durch den entstehenden Filz von abgestorbenen Pflanzenteilen viele Blumenkräuter wieder verdrängt und es setzen sich robuste Gräser und entsprechende Kräuter wie Brennnessel, Distel, Goldrute durch. Daneben überranken früher oder später Sträucher (z.B. Brombeeren und Pioniergehölze die ehemalige Streuobstwiese und der jetzige Zustand wäre wieder erreicht.

(30) Dies garantiert zahlreichen Arten eine ungestörte Larvalentwicklung bzw. ein reiches Nahrungsangebot. Entscheidend für die Qualität der Mahd für die Lebensgemeinschaft der Streuobstwiese ist vor allem eine heterogene, mosaikartige, zeitversetzte Mahd bei gleichzeitiger Erhaltung bzw. Schaffung von Randstrukturen (kleine Brachen, ungemähte Wiesenrandstreifen).

(31) Leichte Brachen = Initialstadien, ca. ein- bis dreijährig, ohne Gebüsche, aktuell ungenutzt oder nur in mehrjährigen Abständen genutzt;

(32) Mittlere Brachen = bis zu 30 % Verbuschung und i. d. R. älter als der zuvor genannte Typ; Nutzung, wenn vorhanden, nur in langjährigen Abständen.


 
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