Bedeutung von Streuobstwiesen - Ökologie und Naturschutz

Boden- und Wasserschutz

Im Streuobstbau war der Einsatz von Herbiziden und sonstigen Pestiziden von jeher gering bis fehlend. Von Ausnahmen abgesehen zählen Streuobstwiesen auch nicht zu den intensiv gedüngten landwirtschaftlichen Nutzflächen. Das Wurzelwerk der Bäume und die Grünlanddecke verhindern Bodenabtrag und rasches Abfließen des Oberflächenwassers. Grund- und Oberflächenwasser sowie die Bodendecke werden aufgrund ihrer extensiven, aber nachhaltigen Bewirtschaftungsweise im Unterschied zu anderen landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht gefährdet. Die ganzjährig geschlossene Bodendecke sowie das Verrotten von Laub und nicht geerntetem Obst bewirken eine zusätzliche Anreicherung der Böden mit unbelastetem Humus, eine Auswaschung von Nährstoffen in tiefere Bodenschichten wird vermindert. Es kommt kaum zur Auswaschung und Weiterverfrachtung von Nähr- und Schadstoffen durch Sickerwasser, wie dies bei anderen landwirtschaftlichen Nutzungsformen häufig der Fall ist . (8) Durch die mehr oder weniger fehlende Bodenbearbeitung auf der geschlossenen Pflanzendecke bleiben Bodengefüge und –struktur erhalten, die Bodenerosion durch Wind und Wasser kann kaum einsetzen. Streuobstwiesen tragen somit, vor allem an Hangkanten, zum Schutz natürlicher Ressourcen bei (SIMON 1992).

Stabilisierung des Naturhaushaltes

Eine unschätzbare Rolle spielen die Streuobstbestände in der Biotopvernetzung innerhalb unterschiedlichster Naturräume. Streuobstbestände stellen Trittsteine innerhalb ökologisch devastierter Räume dar, sie bilden lineare Verbindungselemente zwischen den verinselten Lebensraumzellen in der Landschaft. Aufgrund ihrer extensiven Nutzung sind Streuobstwiesen weiterhin als Produktionsstätte für zahlreiche Tierarten bedeutsam, womit sie die Störanfälligkeit land- und forstwirtschaftlicher Monokulturen abzupuffern helfen.

Genreservoir

Bei den Obstbäumen spielt die Sortenvielfalt als Genreservoir für Neuzüchtungen und bei der Abwehr von Krankheiten eine wichtige Rolle. Die Mannigfaltigkeit der Obstsorten und deren Herkunft kann daher nicht hoch genug eingeschätzt werden. Besonders im Hinblick auf Schädlingsresistenz und Robustheit gegenüber Witterungs- und Umwelteinflüssen, auf den Pflegebedarf und auf verändertes Käuferverhalten ist die Erhaltung der vielen hundert alten Obstsorten unverzichtbar (SIMON 1992). Die Einsicht und auch die Bemühungen um die Erhaltung dieser wertvollen und unersetzbaren Ressourcen sind in den letzten Jahren/Jahrzehnten immer wieder neu belebt worden. In Sortengärten, Lehrpfaden, Genbanken und Reisermuttergärten konnte ein großer Teil dieses Reichtums erhalten werden. Die wichtigste Einrichtung auf Bundesebene ist die „Genbank Obst“ am Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) Gatersleben in Dresden-Pillnitz. Die Genbank hat nicht nur konservierenden Charakter, sondern ist auch in der Sortenzüchtung aktiv. Neben der Bewahrung alter Obstsorten ist das Auffinden von Resistenzeigenschaften, vor allem gegen Schorf, Mehltau und Feuerbrand bei Apfel und Birne, Schwerpunkt der Tätigkeiten. Weiterhin verwaltet die Genbank in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Agrardokumentation und –information (ZADI) in Bonn das sog. Bundes-Obstarten-Sortenverzeichnis. Dieses enthält alle Obstsorten in Bundes- und Landesinstituten sowie einiger nichtstaatlicher Organisationen. Insgesamt sind hier fast 6.000 Obstsorten mit über 17.000 Nachweisen registriert. Darüber hinaus gibt es auf der Ebene der Bundesländer weitere Institutionen, die Sortengärten betreiben. Die meisten befinden sich dabei in Baden-Württemberg (4), Bayern (3) und Rheinland Pfalz (2). In den neuen Bundesländern gibt es Sortengärten nur in Brandenburg (LVA Gartenbau Müncheberg und in Thüringen (LVA Gartenbau Erfurt) (vgl. DAHLEM 2001).

Artenschutz

Die Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas, wobei es sich nicht nur um ein sehr hohes, sondern vor allen Dingen auch um ein sehr spezialisiertes Artenaufkommen handelt Durch die typische Kombination von Ober- und Unternutzung, von Schatten und Licht, sind in Streuobstwiesen sowohl Arten des Waldes als auch der offenen Landschaft verbreitet. Aufgrund der extensiven Nutzung bei gleichzeitig häufig immer noch vorhandener Großflächigkeit stellen Streuobstwiesen für eine zunehmende Anzahl von Arten letzte Rückzugsgebiete dar, weil ihre ursprünglichen Standorte so stark beeinträchtigt oder vernichtet wurden, dass ihnen dort ein Überleben nicht mehr möglich ist. Je Vielfältiger die Pflanzenwelt, desto größer ist auch die Artenvielfalt im Tierreich.
Streuobstbestände als Verbindungsglieder zwischen Wald und Siedlung erhöhen die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere, insbesondere in den Grenz- und Übergangsbereichen am Waldrand und an den Siedlungsrändern. Dadurch wird eine Belebung, Verbesserung und Stabilisierung des Naturhaushaltes, vor allem auch in Siedlungsnähe, bewirkt.

Lebensraum Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind ein für die mitteleuropäische Kulturlandschaft typischer Lebensraum. Sie beherbergen eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die schwerpunktmäßig in diesem Biotoptyp verbreitet sind. Die Streuobstwiese besteht aus zwei grundsätzlich voneinander unabhängigen Ökosystemen: Obstbaum und Grünland. Tatsächlich besteht sogar eine gewisse Konkurrenz zwischen den beiden Teillebensräumen mit ihren Bewohnern um beispielsweise Nährstoffe, Licht und Wärme.

(8) So hat der Streuobstbau beispielsweise an der Erhöhung der Nitratwerte im Grundwasser kaum Anteil.

 
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