Vergleich zu anderen Studien zum Thema Streuobstwiesen

Naturschutzfachliche Aspekte stehen bei dem hier vorgestellten Nutzungskonzept der Pönitzer Streuobstwiese an erster Stelle. Eine landwirtschaftliche Nutzung ist nicht integriert und ein Obstertrag wird nicht primär angestrebt. Es geht vor allem darum, die alten Obstbaum-Hochstämme mit ihren alten Sorten zu erhalten und einen gefährdeten Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten. Dies beruht auf der Tatsache, dass es sich um eine kleine, überschaubare Fläche handelt, deren Arbeitsaufwand durch (ehrenamtliche) Mitarbeiter des NABU (noch) zu bewältigen ist.
Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen verfügen über Streuobstwiesen von mehreren 100 ha/Gemeinde. Das sind die letzten großräumigen und extensiv bewirtschafteten Flächen in der offenen Landschaft. Ökonomische Kriterien entscheiden hier über ihr Überleben. Es konnte festgestellt werden, dass sich bei diesen Größenordnungen der Naturschutz und die Verwaltung aus den Aktionen zurückziehen, weil es sehr viel Zeit, Geld und Kraft erfordert (BÜNGER 2000). Hinzu kommt, dass ab einer gewissen Vermarktungsmenge die Arbeit über die ehrenamtliche Schiene nicht mehr zu bewältigen ist und hier neue Wege beschritten werden müssen. Aus diesem Grund wird in anderen Studien zur Thematik der Streuobstwiesen (z.B. KEIPERT 2000, LOTT 1993) der integrative Naturschutz gefordert, d.h. diese kulturell geprägten Landschaften können nur zusammen mit landwirtschaftlicher Nutzung erhalten werden, denn das ökonomische Interesse der Landwirte, das sozial-kulturelle Interesse an der Funktionsfähigkeit ländlicher Räume für den Menschen und das Naturschutzinteresse gehen hier im Grunde Hand in Hand. Ein effektiver Naturschutz scheint ohne Einbeziehung der Nutzflächen – und damit der Nutzer – nicht möglich. Es werden flexible und kooperative Lösungen gesucht, die diese Interessen auch gesellschftspolitisch zusammenführen. Naturschutz und Landwirtschaft müssen gleichermaßen ein Interesse haben, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass es zu einer nachhaltigen Landwirtschaft im Sinne der Agenda 21 kommt.
Eine weitere wichtige Erkenntnis ist: „Der Obstwiesenbau ist ein technisch überholtes, historisches Anbauverfahren. Der Anbau erfordert hohen Aufwand und ist wenig rentabel.“ (KEIPERT 2000). Diese Tatsache ist Grundlage für Förderungen durch die öffentliche Hand. Jedoch ist der aktuelle Stand, z.B. in Nordrhein-Westfalen, dass die bisher geschaffenen ökonomischen Anreize nicht, wie erhofft, dazu geführt haben, dass sich der Pflegezustand der Obstbäume verbessert hat. Vielmehr bestand und besteht der ökonomische Anreiz in den Förderprogrammen der Länder sowie in den Vermarktungsinitiativen der Naturschutzverbände und Streuobstinitiativen mit Aufpreismodellen (vgl. z.B. BÜNGER 2000, HEIMEN u. RIEHM 1987). KEIPERT (2000) fordert, dass die Förderprogramme für Obstwiesen von den anderen Förderprojekten im Naturschutzbereich getrennt abgewickelt werden müssen, da es sich bei den Obstwiesen um landwirtschaftliche Dauerkulturen handelt. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Fördegelder nur für erfolgsversprechende Projekte gezahlt werden.
Als zukünftige Ansätze sind vielmehr Ansätze zu bewerten, in denen Obstkeltereien in der Obstwiesenapfelsaft-Vermarktung ein zusätzliches Standbein sehen und selbst aktiv werden, indem sie mit Obstwiesenbewirtschaftern Verträge abschließen und so auch an Obstwiesenbesitzer herankommen, die mit dem Naturschutz nichts zu tun haben (wollen) (vgl. z.B. HARTMANN 1988; JANSSEN 1988).
Ein wichtiger Bestandteil der Streuobstproblematik ist der Verbraucher, von ihm muss beispielsweise nach LOTT 1993 der Anreiz für einen veränderten Umgang mit den noch bestehenden Streuobstwiesen ausgehen. Erst dessen Verlangen nach Streuobst aus Streuobstbeständen wird vorhandene Bestände sichern und neue aufbauen helfen.


 
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