Betrachtung der wirtschaftlichen Bedeutung

In Kap. 5.3 kam es zu der Aussage, das „eine museale Erhaltung von Streuobstwiesen mit Pflegemaßnahmen aber ohne Obst- und Grünmassenutzung weder anzustreben noch auf größeren Flächen realisierbar“ ist. Nach den zuletzt getroffenen Aussagen wird aber deutlich, dass eine Streuobst-Nutzung, wie sie ursprünglich betrieben wurde, heute nicht mehr möglich ist. Es geht darum, Nutzungskonzepte zu finden, die in das heutige Wirtschaftsbild passen. Erstaunlich ist, dass die auf das Wiederherstellen ökologischer Funktionen des Landschaftshaushaltes gerichteten Maßnahmen, aufgestellt von Landesregierungen und Naturschutzverbänden, bisher außerhalb betriebsökonomischer Konzepte stehen. Sie entsprechen hauptsächlich ökologischen Anforderungen, eine Nutzung des Streuobstes (i. d. R. Vermostung) ist dabei wünschenswert aber keine Bedingung. Der ursprüngliche Sinn des Streuobstbaus – Obsterzeugung für den Eigenbedarf und Einkommensquelle in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Unternutzung, ist nicht primäres Ziel in den Streuobstprogrammen. Man konzentriert sich jetzt auf die (Neben)wirkungen einer überkommenen Bewirtschaftungsweise, die ein vielfältigeres Landschaftsbild zur Folge hatte als die heutige industrialisierte Bodenbewirtschaftung.
Durch die Erhaltung und Vermehrung dieser Fragmente der Bilder alter Nutzungsformen – es sind nur noch Bilder, weil die Nutzung kaum noch stattfindet – will man ein schönes Landschaftsbild erzeugen. Man muss sich vor Augen führen, dass es zu einer „Funktionalisierungsideologie“ kommt: industrialisierter Landbau zur Nahrungsmittel-produktion und daneben dessen Ausgleich durch ökologische Nutzung ohne Produktionsziel (HEIMEN u. RIEHM 1987). Das „neue“, mit den Streuobstprogrammen sowie verschiedener Merkblätter und Broschüren auch amtliche Interesse am Streuobst entsteht durch die den Streuobstwiesen zugestandene Bedeutung als Ausgleichspotential. Jedoch muss erkannt werden, dass das Streuobst diese Bedeutung bereits zur Zeit seiner Bewirtschaftung hatte, dort vermutlich als Nebeneffekt und unerkannt. Die heutigen Gründe
für den Erhalt der Streuobstwiesen waren nie Grund für seine ehemalige Anpflanzung, Pflege und Erhaltung. Deshalb kommt es heute zu dem Problem, den Besitzern von Streuobst, die wegen Unwirtschaftlichkeit ihre Flächen aufgegeben haben, zu einer Investition von Arbeit und Geld in ihre Obstwiesen aus diesen „selbstlosen, für sie wenig plausiblen Gründen zu bewegen“( HEIMEN u. RIEHM 1987).
Der Weg zu einem verträglichen „Land(be)wirtschaften“ (LOTT 1993) führt keinesfalls über wirtschaftspolitische Instrumente und Regelungen, sondern wird an gesellschafts-, kultur- und bildungspolitische Entwicklungen gebunden sein. Selbst wenn es Teilbereichen gelingen sollte, entgegen der heutigen EG-Agrarpolitik großflächig extensiv genutzte vielstrukturierte Landschaften zu erhalten, die Einstellungsmuster der Verbraucher gegenüber Lebensmitteln als „Mitteln zum Leben“ (LOTT 1993) positiv zu beeinflussen und Streuobstwiesen als Kulturgut zu erhalten, wird der von diesen Bereichen ausgehende Einfluss gering bleiben.
Es muss zukünftig versucht werden, Gebiete mit Streuobstbeständen über bestehende Förderkomplexe nicht nur zu erhalten und zu bewirtschaften, sondern sie zu einem wichtigen Bestandteil des ländlichen Lebensraumes zu entwickeln, damit sie ökologische und ökonomische Funktionen übernehmen können. Das wäre möglich, wie am Beispiel der Pönitzer Streuobstwiese deutlich wird, in Landschaftsräumen, die sich in der Nähe großer Absatzzentren (z.B. Leipzig) befinden.
Gelingt es, die im Begriff Streuobstbau eingeschlossene wirtschaftliche Komponente der Osterzeugung wieder zu einem Wertkriterium zu entwickeln, erfolgt die Bewahrung und Wiedereingliederung hochstämmiger Obstbaumpflanzungen nicht nur aus traditioneller Verbundenheit und/oder ökologischem Interesse, sondern läuft nach einem wirtschaftsorientierten Mechanismus ab.


 
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