Zustand der Streuobstwiese

Baumzustand

Der heutige Baumbestand ist, nachdem 30 Jahre nicht mehr nachgepflanzt wurde, stark überaltert. Es mangelt an jungen, gesunden Bäumen. Die Pflege des Baumbestandes wurde voll und ganz vernachlässigt. Aus diesem Grund sind auf dem Standort Pönitz vorrangig Erhaltungsmaßnahmen der Altbestände (sofern noch möglich) bzw. die Nachpflanzung von jungen Obstbäumen nötig (vgl. Kap. 5.1.2.1 und 5.1.2.2).
Der Großteil des Streuobstbestandes Pönitz zeigt durch die in den letzten Jahren ausgebliebene Pflege starke Vergreisungssymptome, wie z.B. dürre Äste, dicht verwachsene Kronen, keine Neutriebbildung und viel altes Fruchtholz ohne bzw. wenig Blütenknospen. Ein Regenerationsschnitt der vergreisten Kronen ist nur noch teilweise möglich.

Foto 2 + 3: Zustand der Obstbäume auf der Pönitzer Streuobstwiese im Herbst 2004
Quelle: eigene Aufnahme

Zustand der Unternutzung

Der Standort Pönitz zeigte sich zum Zeitpunkt der Kartierung als Verbrachte und langjährig nicht genutzte Fläche, es wurde seit mehreren Jahren nicht mehr gemäht. Die Sukzession war bereits bis zur Verbuschung fortgeschritten, so dass neben dem Hochstaudenflur-Wildwuchs auch der Strauchaufwuchs gerodet werden musste. Insgesamt kam es durch das Brachfallen der Streuobstwiese Pönitz zu einer Artenveränderung (Ruderalgesellschaften: Agrophyron repens (Quecke) Cirsium vulgare (Gemeine Distel) und Solidago canadensis (Goldrute). Der Stickstoffreichtum wird durch das Vorkommen von Urtica dioica (Große Brennessel), Lamium maculatum (Gefleckte Taubnessel) und Symphytum officinale (Gemeiner Beinwell) in der Krautschicht angezeigt. Bei weiterem Brachliegen stellt sich im Laufe der Zeit Verbuschung ein. Dabei breiten sich die von den abgefallenen Früchten aussamenden Obstsorten sowie Pionierarten der Verbuschung aus: z. B. Sambucus nigra (Schwarzer Holunder), Fraxinus excelsior (Esche), Rosa canina (Heckenrose), Prunus spinosa (Schlehe). (27)

Foto 4: Zustand der Unternutzung auf der Pönitzer Streuobstwiese vor der Mulchung
Quelle: eigene Aufnahme

Der erste Schnitt seit mehreren Jahren erfolgte im Oktober 2004, das Schnitt- und Strauchgut wurde gemulcht. Es muss abgewartet werden, wie sie das Grünland unter den Bäumen bei einer nun regelmäßigen Pflege entwickeln wird (vgl. Kap. 5.1.1), da sich der eher offene Charakter der Streuobstwiese im Laufe der Jahre zur Geschlossenheit hin verändert hat und es somit zur Verdrängung der niedrigwüchsigen lichtliebenden Pflanzen kam. Da dies eine Artenverarmung zur Folge hatte, kann mit der Freistellung der verbuschten Flächen eine Erhöhung der gesamten Artenanzahl angenommen werden (vgl. BAYERISCHE LANDESANSTALT FÜR WEINBAU UND GARTENBAU WÜRZBURG, ABTEILUNG LANDESPFLEGE (Hrsg.) 2002 (28), REGIONALVERBAND NECKAR-ALB (Hrsg.) 1994).
Im Gegensatz zu den großen Streuobstflächen Süddeutschlands, wo Streuobst lange Zeit eine Nebennutzung landwirtschaftlicher Flächen war und die Unternutzung dabei für die Besitzer von größerem Wert als die Obstbäume waren (HEIMEN u. RIEHM 1987), wurde auf der Pönitzer Streuobstwiese das Land unter den Obstbäumen bis 1989 zum Gemüseanbau und zum Anbau von Beerenobst genutzt. Da kein landwirtschaftlicher Betrieb an die Streuobstwiese gekoppelt war, gab es auch keine Notwendigkeit einer Grünlandnutzung. Der Platz unter den Obstbäumen wurde erfolgreich mit Hackfruchtbau (Möhren, Kartoffeln, Rüben) und Gemüseanbau (Kohl, Salat) kombiniert. Auch Beerenobst war typisch (Erdbeeren, Rhabarber, Stachelbeeren, Johannisbeeren). Nach der politischen Wende gab es für deren Verwendung aus den in Kap. 1.2. genannten Gründen eine ebenso zurückgehende Nachfrage wie für Obst aus Streuobstbeständen. Die Nutzung wurde aufgegeben und es entstand die oben beschriebene verbrachte Fläche.

(27) Die Strauchschicht verhindert weitgehend das Keimen der Pflanzensamen. Dadurch ist die Einwanderung fremder Arten kaum möglich, solange die Bodenbedeckung geschlossen bleibt. Eine weitere Folge der auf dem Boden aufliegenden und das Pflanzenwachstum einschränkenden Streuschicht ist die Tendenz zu ausläuferbildenden Arten.

(28) Dortige Untersuchungen ergaben, dass sich die Gesamtartenzahl von Gräsern und Kräutern innerhalb eines Jahres auf den Untersuchungsflächen durch eine Freistellung verbuschter Flächen deutlich erhöhte und zudem eine Ausbreitung von Charakterarten der Mähwiese- und Weidegesellschaften zu verzeichnen war. Notwendig für die Entwicklung zum artenreichen und damit zu einem ökologisch hochwertigen (in diesem Fall) Kalkmagerrasen ist eine kontinuierliche Pflege, vor allem in den ersten Jahren.
Graswirtschaft mit Obstbau, heute zwei völlig getrennte Produktionsweisen, waren aufeinander abgestimmt und konnten auf einer Fläche gleichzeitig ausgeübt werden.


 
Streuobstwiesen
PKR
Organisation
Qualitätsentw.
Computer
Allgemeines
Surftipps