Die Tierwelt der Obstwiesen

Die Tierwelt der Obstwiesen

Die Beziehungen zwischen Tieren und Streuobstwiesen sind vielfältig und beziehen sich auf die Obstbäume und das umgebende Umfeld. Unterschiedliche Nutzungszustände, die Lückenhaftigkeit des Bewuchses und zahlreiche Sonderstrukturen erlauben Arten mit den unterschiedlichsten Lebensraumansprüchen eine Besiedlung. Ausgesprochene Offenlandbewohner und waldgebundene Arten, Taxa mit verschiedenen Feuchtigkeits- und Temperaturpräferenda und Besiedler der unterschiedlichsten Straten treffen hier aufeinander. Der reiche Lebensraum macht Streuobstwiesen gleichsam als Dauer-, Teil- oder Durchwanderungslebensraum für ein breites Artenspektrum bedeutsam.

Die Obstbäume sind das bestimmende ökologische und landschaftliche Strukturelement der Streuobstwiesen und stellen für die vielen hier lebenden Arten Nahrung und Struktur:

Nahrung:
• Phytophage (Primärkonsumenten)
Eine große Zahl von Insekten ist auf Obstbäume, speziell Rosengewächse, angewiesen. Dazu gehören u.a. Blattwespen, Blattläuse, Käfer und Schmetterlinge (Klein- und Nachtschmetterlinge) sowie deren Larven. Nachgeordnet ist eine ebenso große Zahl spezifischer Parasitoide (Gegenspieler), z.B. Schlupf- und Erzwespen. Phytophage sind i.d.R. Schadorganismen.

• Räuber (Carnivoren, Prädatoren)
Eine Anzahl von räuberisch lebenden Tieren lebt dauerhaft auf dem Obstbaum und stellt den hier lebenden Phytophagen nach. Dazu gehören beispielsweise Käfer und deren räuberische Larven, Florfliegen- und Kamelhalsfliegenlarven.

• Xylobionte
Holzersetzende Pilze und die daran gebundenen Organismen, z.B. holzzerstörende Käferlarven.

• Kommensalen
Igel, Hornisse, Wespen, Tagfalter.

Struktur:
• Vögel benutzen das Höhlenangebot (Steinkauz, Wendehals). Für Fledermäuse sind Höhlen Ruhe- und Schlafplatz. (9)

• Raubinsekten jagen in Rindenspalten und aus Blättern nach Phytophagen und anderen Kleinlebewesen (z.B., rindenbewohnende Laufkäferarten).

• Moospolster und Flechtenkrusten sind ein Mikrokosmos für Kleinstlebewesen.
• Rindenspalten und Höhlen mit Holzmulm sind Überwinterungs- und Entwicklungsort für Insekten.

Der potentielle Artenreichtum von Obstwiesen erklärt sich aus der Überlagerung der beiden Biotoptypen und der sich daraus ergebenden räumlich Nachbarschaft verschiedener, sich ergänzender Habitate. Interessant und bemerkenswert sind daher vor allem solche Tiere, die beide Ökotope gemeinsam nutzen und daher als besonders spezifisch für den Biotoptyp Obstbaum + Wiese = Obstwiese gelten können. Als Beispiel seinen zwei Vogelarten und Wildbienen genannt:

Tabelle 1: spezifische Tierarten des Biotoptyps Obstwiese Quelle: RISCH (2000), S. 35)

Ein Brachfallen dieser Biotope hat zwangsläufig eine Verarmung der Artenvielfalt und den Verlust bestimmter Lebensgemeinschaften zur Folge.

(9) Die Funktion der Streuobstwiesen für das Vorkommen seltener und gefährdeter Vogelarten, ist schon relativ früh erkannt worden ( Ullrich 1975). Mit ihrer unterschiedlichen floristischen Zusammensetzung und vor allem den hochstämmigen Obstbeständen mit den verschiedenen Stockwerken (altes, morsches oder auch Totholz, Wurzelraum, krautiger Unterwuchs) bieten Streuobstwiesen Nahrungsgrundlage, Wohnraum und Rückzugsmöglichkeiten. Dies wurde für Vögel und Fledermäuse beispielsweise mit Arbeiten von Blume (1988), Braun (1994), Glück (1980, 1983, 1987), Hölzinger (1974), Kulzer, Bastian und Fiedler (1987), Mader (1982, 1984), Ruge (1975), Seitz (1989) und Zwygart (1984) belegt. Die Artenvielfalt der Vögel hängt dabei vor allem von der Altersmischung der Baumbestände ab.

 
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