Vergleich von Streuobstwiesensaft zu industriell hergestellten Fruchtsäften

Apfelsaft ist der beliebteste Fruchtsaft in Deutschland – aber aus heimischem Obst wird er in den wenigsten Fällen erzeugt. Die günstigen Einfuhrmöglichkeiten von Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten aus anderen Ländern sind Ursache dafür, dass es heute wirtschaftlich uninteressant ist, Direktsaft aus heimischer Produktion herzustellen. Die Importe von Rohware und Halbware (Konzentrat) drücken auch die Preise für die Mostäpfel aus heimischen Streuobstbeständen(49 . Mangelnde Produktinformationen, ungenaue Inhaltsangaben oder fehlende Informationen über die Herkunft der Ware sind schuld außerdem daran, dass die Verbraucher bei ihrer Wahl auf diese Säfte zurückgreifen. Naturschutzverbände und Streuobst-Initiativen kämpfen beharrlich gegen die Ignoranz der Verbraucher bezüglich der Herkunft des Apfelsaftes an, bislang nur mit bescheidenem Erfolg. Die Fruchtsaftindustrie hält dagegen, denn bei vielen Apfel-Fruchtsäften kann man oft nur erahnen, dass sie erst einmal als Konzentrat um die halbe Welt reisen mussten, ehe sie rückverdünnt ins Glas gelangen. Besonders Polen, die Tschechische Republik, die Ukraine, China, der Iran und Italien gehören zu den bedeutendsten Lieferländern von Konzentraten (50) .

Dagegen versteht man unter Apfelsaft im Streuobstbau einen 100 %-igen Fruchtsaft. Saft aus Streuobstbeständen wird als frisch gepresster Saft ohne Zugabe von Zucker direkt in Flaschen abgefüllt („Direktsaft aus Streuobst“). Dieser naturtrübe Saft enthält schwimmende Fruchtfleischanteile, sogenannte Trübstoffe. Direktsaft aus heimischem Obst überzeugt mit einer deutlich besseren Ökobilanz, denn der Verbrauch von Ressourcen für das Eindicken, Rückverdünnen, den Transport o.ä. liegen deutlich unter dem importierter Säfte: „Allein für das Waschen, Eindicken und Verdünnen von Orangensaft müssen pro Glas Orangensaft 22 Liter Wasser veranschlagt werden! Für die Herstellung eines regional erzeugten naturtrüben Apfel-Direktsaftes, dessen Rohware noch von Hand aufgelesen wird, verbraucht man dagegen nur etwa 2,6 Liter Wasser für das Spülen der Flaschen und das Waschen der Äpfel“ (KRAUS 1995). Des Weiteren liegt auch der Energiebedarf zum Beispiel für das Beheizen einer Obstplantage bei Frostgefahr oder den Transport über Tausende von Kilometern für „exotische Früchte“ um ein Vielfaches höher (STIFTUNG NATURSCHUTZFONDS BEIM MINISTERIUM LÄNDLICHER RAUM BADEN-WÜRTTEMBERG 1997). Es ist zu fordern, dass neben den ökologischen auch die volks- und globalwirtschaftlichen Vorteile des Streuobstbaus (weniger CO2-Ausstoß bei kurzen Transportwegen, weniger Umweltbelastung durch chemisch-synthetische Behandlungsmittel) besser honoriert werden.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht kann die Bedeutung der Verwertung von Früchten aus Streuobstbeständen in Zukunft wachsen. Neben der bereits erwähnten äußerst geringen Belastung mit chemischen Rückständen sei auf folgenden Fakt verwiesen: In den letzten Jahrzehnten hat die Allergiegefährdung, insbesondere der Stadtbevölkerung, dramatisch zugenommen. Im Bezug auf den Streuobstbau ist besonders bedeutungsvoll, dass 57-70 % der Patienten, die auf Birken allergisch reagieren, auch eine Kreuzallergie gegenüber Äpfeln entwickeln. Interessant ist aber dabei, dass die Allergie gegenüber Apfelsorten aus Intensivobstplantagen ausgeprägt ist, bei Streuobstsorten aber nicht (vgl. NATURSCHUTZZENTRUM ANNABERG gGmbH 1999).

Wären diese Tatsachen den Verbrauchern bekannt, so würden, laut Befragung von FÖRSTER, HÄUSSERMANN UND WERNER (1994), die Hälfte aller Konsumenten Apfelsaft aus heimischen Streuobstbeständen anderen Fruchtsäften vorziehen. Tatsache ist jedoch, dass der bundesweite Marktanteil des Aufpreis-Apfelsaftes bei rund 3 % liegt und aus dem Nischendasein noch nicht herausgekommen ist (ELLINGER 2001 b).
Aus diesen Gründen ist es nötig – wollen Streuobstprodukte auf dem Markt bestehen - den Kunden die Vorteile des Streuobstwiesensaftes gegenüber anderen Produkten augenscheinlich zu machen (Etikettierung): „Ein nach überliefertem Verfahren des fast untergegangenen Süßmosterhandwerkes hergestellter naturtrüber Fruchtsaft ist ein gesunderhaltendes und auch naturheilkundliches Getränk, dass wohl kaum mit Getränken verglichen werden kann, die zum größten Teil aus Zucker, Wasser, Farb-, Aroma und Konservierungsstoffen hergestellt worden sind.“(STRANZ 1988, vgl. Anhang: „Was ist doch alles in dieser zarten Haut des Apfels an Köstlichkeiten für uns Menschen eingepackt“). Wenn die Konsumenten einen individuellen Zusatznutzen mit dem Saft von Streuobstwiesen verbinden, sind preisbezogene Wettbewerbsnachteile durch andere Instrumente des Marketings zu kompensieren. Stoffliche Zusammensetzung, Verpackung und Kennzeichnung sind hierbei die entscheidenden Faktoren, die ein positives Image des Streuobstproduktes aufbauen.

(49) Teilweise werden nur 4 Cent/kg bezahlt, dabei zahlten Deutschlands Keltereien für Mostobst in den 1990er Jahren im Mittel 11,50 Euro/dt (ELLINGER 2001).
(50) 2001 wurden folgende Mengen an Apfelsaftkonzentrat nach Deutschland importiert: ca. 637.000 hl aus Polen, 120.000 hl aus China, 112.000 hl aus dem Iran und 70.000 hl aus der Ukraine (N.N. 2002).


 
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