Wirtschaftliche Bedeutung

Bei aller ökologischen Bewertung der Streuobstbestände sollte nicht vergessen werden, dass Streuobstwiesen einst eine wirtschaftliche Bedeutung hatten und ursprünglich eine zusätzliche Nahrungsquelle bzw. Einkommensquelle darstellten. In Sachsen bzw. in der gesamten ehemaligen DDR war neben der Obstverarbeitung zu Saft, Kompott, Backobst auch Tafelobst gefragt und so wurden v.a. Äpfel auch für den späteren Verzehr eingelagert. Für
unterschiedlichste Zwecke wurden spezielle Sorten ausgelesen und vermehrt. Der Obstbau war also für die Selbstversorgung der Bevölkerung unverzichtbar und wurde deshalb bis Anfang der 1990er Jahre sorgsam gepflegt, ebenso die Kenntnisse und Fertigkeiten des Obstbaus. Heute besteht für sächsisches Streuobst die fast einzige Vermarktungsmöglichkeit in der Vermostung zu Apfelsaft.

Prüft man die Möglichkeit, den Streuobstanbau in Verbindung mit hochstämmigen Bäumen auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen, wird man schnell feststellen, dass dies aus heutiger Sicht kaum realisierbar ist. Die Kosten für die Entwicklung der Bestände und der erhöhte Pflege- und Ernteaufwand dürfte eine Konkurrenzfähigkeit mit den modernen Anbaumethoden des Marktobstbaues bzw. mit Importprodukten ausschließen. Hinzu kommt, dass die Alternanz, also die jährlichen Schwankungen der Erntemengen beim Streuobstanbau höher ist als beim Intensivanbau. Heute wird der Streuobstbau in Sachsen extensiv (Nebenerwerb oder Selbstversorgung) oder gar nicht mehr betrieben. (12)

Von wirtschaftlichem Interesse sind heute – und dies wieder verstärkt – die „alten“ Obstsorten, so z.B. säurehaltige Apfelsorten. Insbesondere auf den Streuobstwiesen kann man noch teilweise reiche Bestände an alten, bewährten Lokalsorten finden. Sie bilden ein wichtiges Gegenpotential im Hinblick auf Neuzüchtungen. Die Erhaltung alter Lokalsorten hat besondere Bedeutung bei Sorteneigenschaften wie Schädlingsresistenz, Robustheit, Pflegebedarf und Vielfalt (AID 1995; BÖNING-SPOHR 1994; LUCKE et al. 1992; SIMON 1992).

Früher kam neben der Bewirtschaftung der Obstbäume auch der Unternutzung eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung zu. Heute reduziert sich die Unternutzung in Sachsen meist auf Pflegemaßnahmen, wenn nicht sogar Brachewirtschaft. Die Pflegemaßnahmen sind häufig in Naturschutz- bzw. Streuobstprogramme eingebunden. Wird das Grünland als extensive Mähwiese genutzt, so ist diese meist ein- oder zweischürig. Der Grasschnitt dient der Grünfutter- oder Heugewinnung oder wird bei Nichtnutzung kompostiert. Aus Gründen der Kostenersparnis lässt man heute teilweise den Grasschnitt liegen, und zwar in zerkleinerter Form als Grasmulch.

Die Verwertung des Obstbaum-Stammholzes steht in neuester Zeit wieder vermehrt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Vor allem Birnen-, Kirsch- und Nussholzmöbel stellen eine Alternative zu den Möbeln aus der dominierenden Massenproduktion dar.

(12) Im Gegensatz zu Sachsen dominiert in Süddeutschland der Streuobstanbau bezüglich Erntemengen und Geldwert gegenüber dem Intensivobstanbau trotz starker Dezimierungen auch heute noch. Dieser volkswirtschaftlich bedeutsame Aspekt wird häufig übersehen, weil für den Einzelbetrieb der Reinerlös entscheidend ist. Dieser ist im Streuobstbau in der Regel wesentlich geringer als im Intensivobstanbau (vgl. LUCKE 1988) In Süddeutschland wird bei aktuellen Erhaltungsmaßnahmen neben der ästhetischen und ökologischen Bedeutung die Wirtschaftlichkeit viel weiter in den Vordergrund gestellt als dies bei Sächsischen Streuobstwiesen zu beobachten ist. Auf den weitaus größeren und weitläufigeren Flächen, die häufig landwirtschaftlich genutzt werden, wird eine zunehmende Nutzung durch die Landwirte gefordert und auch gefördert (vgl. RIPPEL 2003).

 

 
Streuobstwiesen
PKR
Organisation
Qualitätsentw.
Computer
Allgemeines
Surftipps