Grundlagen des Prozesskostenmanagement

Wozu Prozesskostenrechnung ?

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Gemeinkosten einen relativ geringen Anteil an den Gesamtkosten in Industriebetrieben. Es gab zwei große Kostenblöcke, die in den Betrieben von Bedeutung waren, der Arbeitslohn und das Rohmaterial. Daher war bei der Kalkulation der Zuschlag auf Material- und Lohneinzelkostenbasis auf die Produkte angemessen. Bis heute hat sich jedoch eine Verschiebung der Kostenstruktur ergeben. Betrug der Anteil der Gemeinkosten an den Gesamtkosten in den sechziger Jahren noch 30% gegenüber 70% Einzelkosten, sind es heute bereits 60% Gemeinkosten gegenüber 40% Einzelkosten. (1)

In nachfolgender Abb. ist ein Trend zu erkennen, der einen deutlichen Anstieg des Anteils der Gemeinkosten an den Gesamtkosten aufzeigt.

Entwicklung Gemeinkosten
Quelle: Dr. Leidig, Bundesverband Druck e.V., Infoseminar PKR, Universität Wuppertal, Skript S. 10

Gründe für den Anstieg der Gemeinkosten sind zum einen die Verschiebung der Mitarbeiterstruktur. Vor 25- 30 Jahren war nur einer von zehn Mitarbeitern indirekt mit der Fertigung eines Produktes beschäftigt. Heute beträgt das Verhältnis von indirekten zu direkten Mitarbeitern 1 zu 1.
Indirekte Mitarbeiter sind nicht unmittelbar in die Produktion von Erzeugnissen eingebunden. Hierzu können Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb oder aus relativ neuen Arbeitsfeldern, wie Qualitätsmanagement oder Umweltbeauftragte zählen. In den nächsten 10 - 15 Jahren werden lediglich 15% – 20% der Beschäftigten in der Industrie an herkömmlichen Fabrikarbeitsplätzen arbeiten.
Weiterhin haben sich die Umfeldbedingungen verändert. Die Industrie war auf eine lohnintensive Massenproduktion mit geringer Produktvielfalt ausgerichtet. Der Konkurrenzdruck war niedrig und eine Produktdiversifizierung wenig ausgeprägt.
Die Erfassung der Kosten diente der Überwachung des Herstellprozesses. Die Umfeldbedingungen haben sich für Unternehmen nicht nur verändert, sondern es sind auch neue Aspekte dazugekommen. Produkte werden nicht mehr auf einzelnen regionalen Binnenmärkten angeboten, sondern weltweit. Heute sind Unternehmen einem massiven Wettbewerb auf regionalen wie internationalen Märkten ausgesetzt. Die Produktdiversifizierung hat in ihren Ausprägungsvarianten stark zugenommen. Ein Beispiel zeigt in der Automobil-Branche den Vorstoß der asiatischen Automobil-Konzerne. In den siebziger Jahren kamen japanische Automarken noch als billige Kopien mit schlechter Qualität auf den Markt. Heute sind sie im Preis- Leistungsverhältnis und Qualität den Pionieren des Automobils aus Deutschland und den USA teilweise überlegen. Anfang des 20. Jahrhunderts verkaufte die Firma „Adam Opel“ nur einen Typ von Automobil, den „Lutzmann-Patentmotorwagens-Pfeil1“. Die neueste Modell-Palette der General-Motors Tochter umfasst 14 Grundmodelle, über den „Corsa“, „Astra“ bis hin zu Nutzfahrzeugen wie den „Movano“, die es zudem noch in verschiedenen Ausführungen bzw. Motorvarianten gibt.

An einem einfachen Beispiel soll die Notwendigkeit der Prozesskostenrechnung verdeutlicht werden. Die Zahlen in diesem Beispiel sind der Einfachheit halber willkürlich gewählt.

Beispiel:
Eine Gießerei stellte bisher Silberbarren mit einem Gewicht von 20g her. Der Vorgang oder auch Prozess des Verpackens und die damit anfallenden Gemeinkosten wurden mit einer Zuschlagskalkulation von 5% in die Kalkulation des Verkaufspreises einbezogen.

Kosten des Rohstoff Silber: 10 €/ 20g
Zuschlag 5% 0,5 €/ Silberbarren
__________________________________________
Herstellkosten 10,50 €

Der Zuschlag für den Prozess „Verpacken“ beträgt bei Silberbarren 0,50 € und somit ergeben sich Herstellkosten von 10,50 €. Dies scheint der Realität nahe zu kommen, da die Gießerei mit nur einem Produkt einen geringen Anteil an Gemeinkosten hat. Das Management der Gießerei beschließt auch Goldbarren von 20 g herzustellen. Bei der Kalkulation der Herstellkosten wird der Zuschlagssatz von 5% der Gemeinkosten aufgerechnet.
Obwohl für die Goldbarren die gleiche Verpackung benutzt wird und die Arbeitsschritte für die Mitarbeiter für das Verpacken von Goldbarren die gleichen sind, wie das Verpacken von Silberbarren.

Kosten des Rohstoff Gold: 100 €/ 20g
Zuschlag 5% 5 €/ Goldbarren
__________________________________________
Herstellkosten 105 €

Der Gemeinkostenzuschlag für „Verpacken“ bei Silberbarren beträgt 0,50 € und für Goldbarren 5 €. Hiermit wird unterstellt, dass „Verpacken“ von Goldbarren ist um 4,5 € teurer als bei Silberbarren.

Sicher würden die Kostenrechner in der Gießerei bemerken, dass bei den Goldbarren nicht der gleiche Zuschlagssatz wie bei Silberbarren verwendet werden kann. Dennoch sind in den meisten heutigen Unternehmen komplexere Ausprägungsvarianten der Endprodukte zu finden und somit derartige Kostenverzerrungen nicht sofort erkennbar. Zwar sind die Preisunterschiede im Materialeinkauf oder Wareneinsatz meist nicht so hoch, wie im Beispiel der Gießerei. Aber hohe Stückzahlen können bei einer herkömmlichen Zuschlagskalkulation die Verkaufspreise verfälschen.
Dieses einfache Beispiel soll nur aufzeigen, wie notwendig ein Kostenmanagement mit Fokus auf die Gemeinkosten ist. Ein Instrument für dieses Kostenmanagement ist die Prozesskostenrechnung.

Quellen:
 (1) Vgl. Dr. Guido Leidig, Bundesverband Druck e.V, Informationsseminar PKR/ Universität Wuppertal, Skript S. 10

 

 
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